Tourismus, Klimawandel und die Wirtschaft von Entwicklungsländern

Antje Monshausen
"Plane Truths: Do the economic arguments for aviation growth really fly?”
Mitautor/-en: 
Cottingham, Martin u.a.

Im Klimaschutz wird kein Weg an der Reduzierung des Flugverkehrs vorbei führen. Was aber bedeutet das für die wirtschaftliche Entwicklung von Destinationen in Entwicklungsländern, die nennenswerte Anteile am internationalen Tourismus haben und aus den reichen Quellmärkten weitgehend nur per Flugzeug zu erreichen sind? Was passiert, wenn das erwartete Wachstum im Tourismus ausbleibt und es zu einer Stagnation auf heutigem Niveau kommt?

Die vorliegende Studie des World Development Movements und der New Economics Foundation aus London zeigt, dass ein sich eintrübendes Wachstum des Flugverkehrs der Briten nur geringe ökonomische Wirkungen auf die vier in dieser Studie untersuchten Entwicklungsländer haben würde.
Begründet wird diese schwache Wirkung mit der hohen Sickerrate des internationalen Tourismus in Entwicklungsländern. Ein großer Teil der Einnahmen aus dem Tourismus, verbleibt nicht in den Destinationen, sondern fließt in die Herkunftsländer der Touristen zurück, in denen die großen internationalen Reiseunternehmen sitzen. Sollte das Wachstum des britischen Flugverkehrs bis 2025 auf dem Niveau von 2009 stagnieren, hätte das beispielsweise für Kenia einen Verlust von jährlich 0,09 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zur Folge.

Die Autoren der Studie kommen umgekehrt auch zu dem Schluss, dass deshalb allein die quantitative Steigerung des Flugverkehrs kein Erfolg versprechendes Mittel darstellt, um den wirtschaftlichen Nutzen des Tourismus für Entwicklungsländer zu erhöhen. Wirkungsvoller wäre es, die finanziellen Abzugseffekte zu reduzieren, die Ausgaben der Touristen vor Ort zu erhöhen und die Wirtschaft zu diversifizieren, um die Abhängigkeit vom Tourismus zu verringern.

Um die international vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen, müssen nach Ansicht der Autoren der Studie Flugreisen deutlich verteuert werden, beispielsweise durch eine Integration des Flugverkehrs in den Emissionshandel, durch Kerosinabgaben und durch Kompensationszahlungen der Reisenden. Besonders aber müssten Kurzstreckenflüge finanziell benachteiligt werden und ökologisch sinnvollere Verkehrskonzepte politisch und wirtschaftlich gefördert werden. Die letztgenannten Maßnahmen hätten auf Entwicklungsländer gar keine negativen Effekte, für den Klimaschutz aber positive und dies käme den Destinationen im Süden ebenfalls zu Gute.

Plane Truths: Do the economic arguments for aviation growth really fly? Von Victoria Johnson, Martin Cottingham u.a., Hg. World Development Movement (WDM), London, 2008. ISBN 978-1-904-88238-1. 56 Seiten.

Download: www.wdm.org.uk/resources/reports/climate/planetruths27092008.pdf

(2.504 Anschläge, 34 Zeilen, Dezember 2008)

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