"Tourism and Poverty Reduction – Pathways to Prosperity“

Einfache Lösungen haben ausgedient
Mitautor/-en: 
Ashley, Caroline

Caroline Ashley und Jonathan Mitchell untersuchen anhand einer Vielzahl empirischer Studien, ob und wie Tourismus in Entwicklungsländern Armut reduzieren kann. In ihrer Sekundäranalyse erfassen und kategorisieren sie viele Dutzend Studien der letzen Jahre. Das Quellenverzeichnis weist mehr als 200 Titel auf.

Die Autoren beschreiben drei verschiedene Wege wie der Tourismus zur Bekämpfung von Armut beitragen kann. Sie untersuchen die direkten Wirkungen (fiskalische und nicht-fiskalische Effekte durch den Tourismus selbst), indirekte Wirkungen (wie beispielsweise Verknüpfungen von Tourismus und Landwirtschaft) und dynamische Wirkungen. Besonders die beiden letzteren sind wissenschaftlich und methodisch schwer zu greifen, aber besonders relevant im Bereich der Armutsbekämpfung durch Tourismus. So wichtig und zielführend es ist, dass die Autoren auch nicht-fiskalische Effekte, wie Bildung und Partizipation und deren Dynamik im Sinne der Armutsreduzierung berücksichtigen, so befremdlich (aber fiskalisch natürlich richtig) erscheint es gleichzeitig, dass die Prostitution als eine wichtige Einkommensquelle für arme Bevölkerungsgruppen aufgeführt wird.

Die Erkenntnisse aus der vorliegenden Analyse sind nicht neu: rein quantitative Indikatoren, wie die Zahl der Touristenankünfte oder die durchschnittlichen Ausgaben je Tourist, geben keinen Aufschluss darüber, ob der Tourismus zur Minderung der Armut beiträgt. Die Wirkungen des Tourismus auf die Situation armer Bevölkerungsgruppen sind häufig widersprüchlich. Auch gibt es keine Reiseform, die per se das Einkommen armer Bevölkerungsteile wesentlich erhöht. Der Tourismus kann, muss aber kein Wachstumsmotor sein. Alles hängt von den jeweiligen Umständen im Zielgebiet ab. Vor allem die öffentlichen Institutionen sind gefragt, wenn es um die Gestaltung eines Tourismus geht, der den Armen zugute kommen soll. Trotzdem sind die Zusammenfassung der existierenden Studien und der kritische Umgang mit vorhandenen Ansätzen notwendig und hilfreich. Nicht zuletzt schreiben die Autoren auch den Wissenschaftlern ins Stammbuch, dass diese einer größeren Methodenvielfalt verpflichtet sind, wollen sie wirklich übertragbare, verlässliche Erkenntnisse liefern, wie der Tourismus zur Entwicklung und Armutsbekämpfung beitragen kann. 

Tourism and Poverty Reduction - Pathways to Prosperity. Von Jonathan Mitchell und Caroline Ashley. Earthscan Verlag, London, 2010. 157 Seiten. ISBN 978-1-84407-889-9.

-am-

(2.542 Anschläge, 34 Zeilen, September 2010)

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