Tipps für rücksichtsvolles Verhalten auf Hausbooten in Kerala

Mit einer neuen, ansprechend gestalteten Broschüre für Touristen weist der indische Reiseveranstalter "Sita Travel India" auf die Vielzahl von Problemen hin, die mit dem Hausboot-Tourismus im südindischen Bundesstaat Kerala verbunden sind. Die als attraktives Fotomotiv gewählten Wasserhyazinten sind gleichzeitig ein Indikator für den dramatischen Zustand der stark belasteten Binnengewässer.

Touristen erhalten mit der Broschüre einige wichtige Anregungen, sich möglichst rücksichtsvoll zu verhalten. Dazu gehört, sich angemessen zu kleiden, die Angestellten auf den Booten respektvoll zu behandeln und ein paar Worte Malayalam (der Sprache Keralas) zu lernen sowie Wasser zu sparen und die Gewässer nicht zu verschmutzen. Außerdem sollten Touristen kein Geld oder Süßigkeiten an Kinder verteilen und zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung "merkwürdige oder verdächtige" Interaktionen zwischen erwachsenen Besuchern und einheimischen Kindern melden. Sita Travel empfiehlt in solchen Fällen den Repräsentanten des Veranstalters oder den Reiseleiter anzusprechen. In vielen europäischen Ländern, so auch in Deutschland, gibt es zudem die Meldeplattform www.reportchildsextourism.eu, über die man Verdachtsfälle an das Bundeskriminalamt oder an die Kinderschutzorganisation ECPAT melden sollte.

Einige der Tipps aus der wichtigen Broschüre für Reisende greifen allerdings zu kurz. Die Bitte, Abfall nicht ins Wasser zu werfen, reicht in Kerala nicht aus. Mangels umweltverträglicher Abfallentsorgung wird ein großer Teil des Mülls offen verbrannt. Deshalb gilt es in erster Linie das Abfallaufkommen zu reduzieren und z.B. Plastikflaschen grundsätzlich zu vermeiden. Auch die Bitte, Strom zu sparen, der oft durch umweltschädliche Dieselmotoren generiert wird, ist durchaus wichtig. Doch sehr viel umweltfreundlicher wäre es, Hausbootanbieter zu wählen, die Solarstrom nutzen und auf Klimaanlagen ganz verzichten. Aktueller denn je ist der Hinweis, Einheimische entlang der Backwaters nicht bei ihren Alltagstätigkeiten zu fotografieren. Die Anwohner haben inzwischen begonnen, wenig fotogene Sichtschutzzäune zu errichten.

Die Broschüre zur Sensibilisierung der Reisenden ist eine erste Reaktion auf die menschenrechtliche Wirkungsanalyse, die der Schweizer Reisekonzern "Kuoni" gemeinsam mit Sita Travels als indischer Partneragentur durchgeführt hat. Beide Unternehmen bemühen sich um mehr Verantwortung entlang ihrer touristischen Wertschöpfungsketten.

Visiting Backwaters Responsibly. Hg. Sita Travel India, Gurgaon, 2014.
Download:
www.kuoni.com/docs/visiting_backwaters_responsibly_0.pdf

Weitere Informationen: Assessing Human Rights impacts. India Project Report. Hg. Kuoni, Zürich, Februar 2014. Download: www.kuoni.com/docs/kuoni_hria_india_2014_website_0.pdf

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(2.460 Zeichen, Dezember 2014, TW 77)

 

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