"Südafrika. Katerstimmung am Kap"

Rückwärts, seitwärts oder vorwärts?

Es ist eine Bilanz, die nicht sehr positiv ausfällt. Die kritisch reflektierenden Beiträge südafrikanischer Intellektueller, die Renate Wilke-Launer zusammengestellt hat, passen so gar nicht zum dem schönen, beeindruckenden Südafrika, wie viele Touristen es kennen und lieben lernen. Südafrika macht Hoffnung - und enttäuscht. Vielleicht gerade weil viele der Hoffnungen so hoch angesetzt waren und sind: Hoffnungen auf eine Überwindung der Rassenschranken, auf Freiheit, Demokratie und ein besseres Leben, an dem alle Menschen in Südafrika teilhaben. Die Autorinnen und Autoren und die Herausgeberin in eigenen Beiträgen zeigen anhand persönlicher Geschichten und Analysen die Richtungen auf, in die sich das Land derzeit bewegt und in Zukunft bewegen könnte. Sie erlauben Einblicke jenseits von Klischees und Vorurteilen. Sie berichten zum Beispiel von der Verunsicherung der indischenstämmigen Bevölkerung in Durban angesichts von "Black empowerment", von der abgeschotteten Sozialisierung afrikaanser Jugendlicher und von den Fallstricken, die den Schwarzen den Aufstieg in die Mittelschicht erschweren. Sie zeigen, dass viele Brücken erst noch gebaut werden müssen und viele bereits gebaute noch zu überschreiten sind, bevor eine neue, gemeinsame südafrikanische Identität entstehen kann.

Renate Wilke-Launer: Südafrika. Katerstimmung am Kap. Verlag Brandes & Apsel, 2010. 249 Seiten. ISBN 978-3-86099-644-7. 

-ck-

(1.480 Anschläge, 20 Zeilen, März 2011)