Partizipation ländlicher Gemeinschaften am Tourismus in Entwicklungsländern

Diplomarbeit von Antje Monshausen (Juli 2007)

Aufbauend auf der Erkenntnis, dass eine nachhaltige touristische Entwicklung ohne die Beteiligung der lokalen Bevölkerung nicht möglich ist, steht die Einschätzung des Potentials zur Partizipation der ländlichen Gemeinschaften im Tourismus in Bolivien im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung.

Unter Partizipation wird dabei sowohl die ökonomische Beteiligung der Bevölkerung an den Gewinnen des Tourismus als auch die politische Beteiligung verstanden, bei der die Gemeinschaften aktive Gestalter des Tourismus in ihrer Umgebung sind. Nur so kann ein positiver Effekt für die Regionalentwicklung erzielt werden.

Während eines viermonatigen Bolivienaufenthalts zwischen Juli und Oktober 2006 konnten die zentralen Akteure der Tourismusentwicklung untersucht werden. 110 Touristen wurden zu ihrem Interesse am Besuch ländlicher Gemeinschaften befragt, 35 Reise- und Tourenveranstalter konnten bezüglich ihrer Kooperationsformen mit ländlichen Gemeinschaften interviewt werden. Darüber hinaus wurden vier Gemeinschaften besucht, um ihre Beteiligungsformen am Tourismus und die damit verbundene Schwierigkeiten zu erfassen. In weiteren vier Gemeinschaften konnten Gespräche mit den Tourimusverantwortlichen geführt werden. Auch institutionalisierte Akteure, wie staatliche und nichtstaatliche Institutionen wurden in diese ganzheitliche Betrachtung des Themas einbezogen.

Bolivien besitzt ein großes Potential, ländliche Gemeinschaften am Tourismus zu beteiligen. Leider werden viele Möglichkeiten, dieses Potential auszuschöpfen nicht hinreichend genutzt. Der weitaus größte Teil der internationalen Touristen in Bolivien hat ein großes Interesse am Besuch ländlicher Gemeinschaften, aber es fehlt den Reisenden an Informationen über diese dörflichen Tourismusinitiativen. Nur etwa 10 Prozent der interessierten Touristen realisieren auch tatsächlich den Besuch einer ländlichen Gemeinschaft in Bolivien. Die Gemeinschaften, die selbständig Tourismus betreiben, haben vor allem große Schwierigkeiten, die Reisenden zu erreichen. Sie verfügen nicht über ein angemessenes Marketing und haben gravierende Mängel im Unternehmensmanagement. Auch Gemeinschaften, die nicht selbständig als Tourimusunternehmer auftreten, sondern mit Reiseanbietern zusammenarbeiten, indem sie beispielsweise ein Eintrittsgeld für das Betreten ihres Territoriums verlangen oder Arbeitsleistungen erbringen, sind mit Problemen konfrontiert. Sie stehen - genauso wie die vorgenannten Gemeinschaften - in Konkurrenz mit ihren Nachbargemeinden und sind durch interne Konflikte geprägt, da die gleichmäßige Verteilung der Gewinne innerhalb der Gemeinschaften nicht funktioniert. Existieren Kooperationen zwischen konventionellen Reiseanbietern und ländlichen Gemeinschaften, so sind die Gemeinden oft nur ökonomisch an den Gewinnen des Tourismus beteiligt. Anspruchsvolle Kooperationsformen, bei denen die Gemeinschaften auch politisch partizipieren können, stellen in Bolivien die Ausnahme dar. Institutionalisierte Akteure fördern nur in den seltensten Fällen die Zusammenarbeit zwischen konventionellen und gemeindebasierten Anbietern. Zumeist fördern sie nur einseitig einen der beiden Akteure. Ein besonderer Focus liegt auf der Unterstützung der Gemeinschaften bei der Etablierung selbständiger Unternehmen, die mit den obengenannten Problemen konfrontiert sind.

Um das Potential zur Beteiligung der ländlichen Gemeinschaften in Bolivien auszuschöpfen, bieten sich multi-stakeholder-Ansätze an, bei denen alle relevanten Akteure beteiligt werden und spezifische Aufgaben übernehmen. Kooperationen zwischen privaten und gemeinschaftlichen Akteuren sollten dabei durch öffentliche Akteure unterstützt, begleitet und beraten werden.

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