Nr. 84 (September 2016)

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Lange Zeit lautete die Devise in den Ferien „Nichts wie raus aus den Städten“. Heute haben sich Städte vom Herkunftsort erholungsbedürftiger Urlauber aus den modernen Arbeiter- und Dienstleistungsgesellschaften zu wahren Touristenmagneten entwickelt. Doch trägt das  Tourismuswachstum tatsächlich zur Erreichung nachhaltiger Entwicklung bei? Die Agenda 2030 zeichnet die Vision einer inklusiven, sicheren, widerstandsfähigen und nachhaltig gestalteten Stadt. Massenhafter Metropolen-Tourismus hingegen ist  vielerorts zu einer Belastungsprobe für die Einwohner geworden. Eine Stilblüte der besonderen Art ist  gegenwärtig der traurige Wettstreit der Hauptstadt-Journalisten aus Berlin und Amsterdam darum, welche der beiden Städte wohl mehr unter dem Tourismus leide.

Überall auf der Welt ist bezahlbarer Wohnraum in attraktiven Innenstadtlagen knapp und begehrt. Wo der Tourismus die Oberhand gewinnt, trägt er zur  Verdrängung der Wohnbevölkerung bei. Um bis 2030 den Zugang zu angemessenem, sicherem und  bezahlbarem Wohnraum für alle Menschen auf der  Welt sicherzustellen, braucht es wirksame politische  Handlungskonzepte. Auf einer Konferenz zu  nachhaltigem Tourismus in Megacities will die Stadt  Seoul Möglichkeiten ausloten, der durch Tourismus angetriebenen Gentrifizierung Einhalt zu gebieten.  Zugleich wird die Frage im Raum stehen, ob und wie sich ein sozialverträglicher,  gemeindebasierter Tourismus auch im urbanen Kontext realisieren lässt. Denn leider sind Städtereisen im statistischen Schnitt  besonders kurz. Viel zu selten kommt es zu wirklichen Begegnungen zwischen Touristen und der  Bevölkerung vor Ort – und das obwohl sich Gäste und Gastgeber kaum irgendwo auf so engem Raum  treffen.

2050 könnten mehr als 70 Prozent der  Weltbevölkerung in Städten leben – Urbanisierung ist ein Megatrend. Umso erstaunlicher, dass der  Weltsiedlungsgipfel „Habitat“ der Vereinten Nationen  nur alle 20 Jahre stattfindet. Doch nicht nur das gibt Anlass zur Sorge. Es ist auch die Tatsache, dass viele Themen, die die Menschen in den Städten existenziell beschäftigen, auf dem dritten Gipfel im Oktober  dieses Jahres in Quito kaum Raum haben werden. Zivilgesellschaftliche Gruppen sind gezwungen, sich in Nebenveranstaltungen zu organisieren, weil so  wichtige Themen wie Verdrängungsprozesse und Vertreibung im offiziellen Programm nicht verhandelt werden. Unser Interviewpartner von der International Alliance of Inhabitants wird in einem solchen Forum daran mitarbeiten, eine „Einwohner-Agenda“ als Gegenentwurf zur „Neuen Urbanen Agenda“ der  Habitat-Konferenz zu entwerfen.

Weitere Autorinnen in dieser Ausgabe nehmen uns mit zu städtischen  Tourismus-Hotspots und sogar in die untergegangene erste Stadt in Afrika südlich der Sahara, wo auch noch zwischen Ruinen nach konstruktiven Wegen gesucht wird, die Wünsche und Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und die Interessen der Touristen unter einen Hut zu bringen.

Ihre Meinung ist uns wichtig! In eigener Sache möchten wir Sie um Mithilfe bitten. Im Rahmen einer kurzen Leserbefragung möchten wir Ihre Interessen, Nutzungsgewohnheiten und Wünsche in Bezug auf  den TourismWatch Informationsdienst kennenlernen. Schenken Sie uns zehn Minuten ihrer kostbaren Zeit und beteiligen Sie sich an unserer Umfrage, damit wir noch besser wissen, was Sie interessiert und  besonders beschäftigt.

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung, wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und senden Ihnen freundliche Grüße

Antje Monshausen & Christina Kamp

Asia-Europe People’s Forum 2016

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Kurzinformationen und Hinweise

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Literatur und Materialien

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Veranstaltungen und Termine

World Travel Market, London
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Forum „Nachhaltiger Tourismus in Megastädten“, Seoul
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„Mobilität und Entwicklung“ auf der UN-Habitat III-Konferenz, Quito
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10 Jahre Reisemuseum Zauchwitz
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