Nr. 82 (März 2016)

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Entwicklungsmotor Tourismus? Reisen für die „Eine Welt“? No gestellt. Sie belegt diese mit zum Teil dubiosen Zahlen, die zwar die Ausgaben der Reisenden nennen, nicht aber die hohen Ausgaben der Reiseländer selbst. Mit Infrastruktur und Tourismuswerbung, Steuererleichterungen und Subventionen versuchen sich arme Volkswirtschaften gegen noch ärmere Länder auf dem globalen Reisemarkt zu behaupten. Dies gilt insbesondere für Länder, die nach Terroranschlägen in der Gunst der Reisenden stark verloren haben, wie der Kommentar von Nina Sahdeva deutlich macht. Zeigt sich die Tourismuswirtschaft in diesen Fällen wenigstens solidarisch? Zweifel sind angebracht, wenn man liest, dass sich eine führende deutsche Tourismusmanagerin im Branchenmagazin „fvw“ mit dem Satz zitieren lässt, dass ihr Unternehmen nun „Bulgarien als Ersatz für Tunesien“ ausbaue. Ein Partner, der tatsächlich die Entwicklung eines Landes auch in schlechten Zeiten voranbringen will, klingt anders.

Um als ‚Entwicklungshelfer‘ durchzugehen, ist mehr nötig als ökonomische Impulse. Die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen  distanziert sich von einem rein ökonomischen Entwicklungsmodell. Sie nimmt auch die Disparitäten innerhalb von Gesellschaften in den Blick.
Ist der Tourismus dabei gut aufgestellt? Noch lange nicht – wie unsere Beiträge aus Sri Lanka und der Türkei zur Situation von Frauen im Tourismus zeigen. Diese Artikel, ebenso wie ein Beitrag des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, beleuchten ganz konkrete Handlungsmöglichkeiten, damit Frauen besser  gefördert und die Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt werden können.

Um tatsächlich Entwicklung zu befördern, muss die Tourismuswirtschaft neben positiven auch die negativen Wirkungen ihrer Geschäftstätigkeit schonungslos offenlegen und konsequent angehen. Gerade in Hinblick auf den Klimawandel herrscht offensichtlich aber Branchenblindheit: In einer Analyse der TUI, die die ökonomischen Wirkungen des Tourismus auf Zypern analysiert, wird am Rande erwähnt,
dass die CO2-Emissionen durch den Flugverkehr wohl der größte und teuerste Umweltschaden sind, den der Tourismus verursacht. In der Gesamtdarstellung der Studie bleibt er unberücksichtigt. Kein Wunder, dass die ökonomische Wirkung des Tourismus so trügerisch positiv zu sein scheint.

Die Tourismuswirtschaft ist alles andere als entwicklungspolitisch förderungswürdig. Entwicklungswirksame Nachhaltigkeitsimpulse im Sinne der Agenda 2030 können nur durch grundlegende Veränderungen der umwelt- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen erreicht werden. Die notwendige und mit der Agenda 2030 angestoßene sozial-ökologische Transformation schließt den Tourismus ausdrücklich ein und fordert neues Denken.

Wie die Tourismuswende gestaltet werden kann, zeigt unsere gleichnamige Publikation, die wir zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) vorstellen. Wir diskutieren sie auch im Rahmen unseres hochrangig und international besetzten Podiums „Agenda 2030 für den Tourismus“ am 9. März um 16:00 Uhr auf der großen Bühne in Halle 4.1. Zu dieser Veranstaltung und zu unserem ITB-Stand Nummer 218 in Halle 4.1 der Messe Berlin laden wir Sie herzlich ein. Wir freuen uns auf viele interessante Gespräche auf der ITB und natürlich auch darüber hinaus.

Mit freundlichen Grüßen
Antje Monshausen & Christina Kamp

ITB Berlin 2016

Internationale Tourismusbörse (ITB) 2016 in Berlin
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Frauen- und Kinderrechte im Tourismus

Frauen in Sri Lanka zwischen Fischerei und Tourismus
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Frauen in der Wertschöpfungskette
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Für einen breiteren Ansatz im Kinderschutz
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Tourismus in der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung

Tourismusgebiete im Würgegriff zwischen Dumping und nachhaltiger Entwicklung
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Unnütz oder unverzichtbar?
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Die Agenda 2030 als Referenzrahmen
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Kurzinformationen und Hinweise

Internationales Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung 2017
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Luftverkehrsbericht 2014
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Kaum Klimaschutz bei Urlaubsreisen
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TO DO! 2016 für sozialverantwortlichen Tourismus
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Petition gegen touristisches Großprojekt auf Bali
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DRV-Beitritt zum Roundtable Menschenrechte
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Literatur und Materialien

Ausbeutung burmesischer Migranten in Thailand
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Auf die Kommunikation kommt es an
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Tourismus als Zukunftsperspektive für die CVJM-Bewegung
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Erklärvideo „Kinderschutz im Tourismus“
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Veranstaltungen und Termine

Dialogforum Sport und Menschenrechte
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„Home to Home, Ger to Ger“ in Indien und der Mongolei
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Zweites Werkstattgespräch Freiwilligenarbeit und Voluntourismus
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Internationale Fachtagung "Corporate Responsibility in Tourism"
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