Nr. 80 (September 2015)

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde,

„Eine Milliarde Touristen – eine Milliarde Möglichkeiten“ ist das Motto des diesjährigen Welttourismustages am 27. September. Während die Welttourismusorganisation (UNWTO) Rekordzahlen feiert und weiterhin ein vermeintliches Recht auf Tourismus proklamiert, verweigern viele europäische Staaten Flüchtlingen das wesentlich grundlegendere Recht auf Asyl. Willkommen ist, wer Geld hat und es im Urlaub ausgeben möchte. Wer hingegen vor unvorstellbarem Leid flieht und im Schlauchboot oder im Eurotunnel sein Leben riskiert, kann nicht auf legalem Weg reisen. Wäre dies möglich, könnten Flüchtlinge viel Geld für kriminelle Schlepper sparen – Geld, das sie gut und sinnvoll in den Ländern gebrauchen könnten, in denen sie nun teils freiwillig, teils unfreiwillig unterkommen.

„Eine Milliarde Touristen – eine Milliarde Möglichkeiten“ ist auch deswegen ein verfehltes Motto, weil es im Widerspruch zu den internationalen Zielen für nachhaltige Entwicklung steht, auf die sich die Staatengemeinschaft in diesen Tagen verständigt. Die „Sustainable Development Goals“ (SDGs) stellen eine Zäsur dar und denken Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit, Entwicklung und Gerechtigkeit zusammen. Die Welttourismusorganisation setzt vollkommen unreflektiert auf Wachstum und verliert damit den Anschluss an die UN-Familie. Zumindest in den letzten Jahren hatte sie an ihrem Festtag wenigstens noch den Anspruch erhoben, herausfordernde Themen für eine nachhaltige Tourismusentwicklung zu benennen, wie beispielsweise den Klimawandel oder Berufschancen im Tourismus. Ausgerechnet in diesem Jahr feiert sie nun die steigenden Touristenzahlen. Darüber mögen sich Tourismusminister und Unternehmen freuen, während lokale Gemeinschaften und Nichtregierungsorganisationen weltweit die Folgen massentouristischer Entwicklung kritisieren.

In dieser Ausgabe lenken wir den Blick auf aktuelle Trends im Tourismus und die Folgen dieser Dynamik. Im Zentrum stehen die Auswirkungen des Tourismus auf Emissionen, Artenvielfalt, Energie-, Wasser- und Lebensmittelverbrauch sowie Landrechte und Partizipation. Die SDGs werden ein neuer Referenzrahmen sein, weil sie alle Staaten weltweit in die Pflicht nehmen, politische Handlungskonzepte zu entwickeln, die die planetaren Grenzen respektieren und Fragen internationaler Gerechtigkeit reflektieren. Es ist ein gutes Zeichen, dass auch der Tourismus als Handlungsfeld in den SDGs benannt wird. Nun gilt es, die Ziele mit Leben zu füllen und dabei den Tourismus nicht weiter unreguliert wachsen zu lassen. Vielmehr müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um diesen hoch bedeutsamen Wirtschaftsbereich auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad zu bringen.

Die Klimaverhandlungen zeigen leider sehr deutlich die Schwierigkeiten, internationale Emissionen einzelnen Staaten zuzurechnen. Umso wichtiger ist es, den internationalen Tourismus mit innovativen Politikansätzen, neuen Konzepten und entschlossenem Handeln nachhaltig zu gestalten. Nur so kann er einen wirksamen Beitrag für eine menschenwürdige Zukunft leisten.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.

Mit freundlichen Grüßen

Antje Monshausen und Christina Kamp

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