Neue Wege für den Tourismus

Mit offenen Karten

Jede Woche erscheint das geopolitische Magazin „Mit offenen Karten“ auf Arte. Das Magazin verdeutlicht anhand von Karten langfristig greifende internationale Zusammenhänge. Die Folge vom 6. September 2016  beleuchtet, wie sich der Tourismus in den letzten Jahrzehnten zunehmend verändert hat und damit auch die Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen der rasant wachsenden Branche.

Anhand von Weltkarten zeigt der Beitrag, wie der Tourismus inzwischen die ganze Welt erobert hat, und nicht nur in den Industriestaaten, sondern auch in Entwicklungsländern von starker wirtschaftlicher Bedeutung ist. In der Vergangenheit schwer erreichbare Zielgebiete, wie die Sahara oder die Arktis und sogar das Weltall, sind inzwischen touristisch erreichbar. Für wohlhabende Bevölkerungsgruppen sind geographische Grenzen und Distanzen kaum mehr bedeutsam. Unzugänglich sind inzwischen eher Regionen, die von Konflikten, Terrorismus oder außenpolitischer Isolation geprägt sind. Am Beispiel Tunis wird erläutert, wie volatil aber die touristische Nachfrage ist.

Ein weitere Faktor wird sich langfristig stark auf den Tourismus auswirken: der Klimawandel. Während einige Destinationen aus touristischer Sicht durch wärmeres Klima profitieren werden, verliert ein Teil der heute beliebten Reiseländer u.a. durch den steigenden Meeresspiegel, zunehmende Trockenheit oder abnehmende Artenvielfalt an Attraktivität. Paradoxerweise ist die Tourismusbranche einer der Hauptverursacher für den Klimawandel und trägt eine starke Mitverantwortung für die Übernutzung anderer Ressourcen, wie Land oder Wasser, und kann die Umwelt nachhaltig degradieren. Doch auch die sozialen Probleme, die der Tourismus verstärken kann, finden Erwähnung.

Moderator Jean-Christophe Victor kommt also zu dem Schluss, dass wir uns von Reisen als Konsumobjekt, wie wir es heute kennen, verabschieden müssen, denn die bisherigen Formen des Tourismus zerstören die Reichtümer, von denen er lebe. Neue und nachhaltige Formen des Tourismus müssen sich etablieren, die die natürlichen und sozialen Strukturen der Reiseziele bewahren. Einziges Manko der sehr sehenswerten und kurzweiligen Dokumentation: Sie nimmt fast ausschließlich die reisenden Europäer in den Blick. Nicht auszuschließen ist, dass eine folgende Sendung in einigen Jahren auch ein aktualisiertes Bild der neuen Sendemärkte in den aufstrebenden Schwellenländern zeigt.

Weitere Informationen:

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=wpDsCJfldaw

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(2441 Zeichen, Dezember 2016, TW 85)

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