Mondkuchen und Geburtstagsnudeln

Christina Kamp
"China’s Outbound Tourism"/"Deutschland als Reiseziel chinesischer Touristen"
Mitautor/-en: 
Freyer, Walter (Hrsg.)

Bislang kann sich nur eine Minderheit der Chinesen – weniger als zehn Prozent der Bevölkerung – überhaupt Auslandsreisen leisten. Doch nachdem seit Ende der 1990er immer mehr Länder "Approved Destination Status (ADS)"-Abkommen mit China geschlossen habe, ist damit zu rechnen, dass sich in Zukunft mehr und mehr Chinesinnen und Chinesen ins Ausland aufmachen werden.
Der wachsenden Bedeutung des Quellmarktes China geht Wolfgang Georg Arlt in zwei fundierten wissenschaftlichen Werken ausführlich nach.In "China’s Outbound Tourism" untersucht er die politischen und wirtschaftlichen Dimensionen des Tourismus aus China sowie soziologische Besonderheiten der chinesischen Reisenden und ihre Reisemotivation.

"Chinesen sind keine Japaner" ist eine seiner zentralen – und keineswegs banalen – Botschaften. Denn von den einstigen Pionieren unter den asiatischen Touristen unterscheiden sich die Chinesen deutlich: Reisen ist für sie weitaus mehr eine Statusfrage und sie geben auf ihren Reisen viel Geld für Markenartikel aus. Der Gruppen-Kollektivismus steht im Vordergrund und die Chinesen sind anspruchsvoll: chinesisches Essen, Wasser für die Teezubereitung, Mondkuchen im August und im Bedarfsfall lange Geburtstagsnudeln für chinesische Gruppenreisende gehören zu den Anforderungen, die Touristen aus dem "Reich der Mitte" an ihre Gastgeber stellen.

Das gilt auch für Deutschland, einem häufigen Zwischenstopp auf Europareisen, wie der Autor zusammen mit Walter Freyer in dem Buch "Deutschland als Reiseziel chinesischer Touristen" zeigt. Die Herausgeber und verschiedene andere (auch chinesische) Autoren zeigen die Chancen für die deutsche Tourismuswirtschaft auf. Zwar werde China aus deutscher Sicht weiterhin ein kleines Marktsegment bleiben, so ihre Einschätzung. Die Reisen konzentrierten sich auf wenige "Hotspots", wie z.B. die deutschen Großstädte, und die Aufenthaltsdauer sei eher kurz. In qualitativer Hinsicht böte sich der Tourismuswirtschaft dadurch jedoch eine "gute Gelegenheit, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln und ’neue’ Gäste zu verstehen und zufrieden zu stellen, deren Gepflogenheiten und Bedürfnisse deutlich vom eigenen Kulturkreis abweichen."

China’s Outbound Tourism. Von Wolfgang Georg Arlt. Routledge Verlag, Oxford, 2006. ISBN 978-0-415-36536-9. 300 Seiten.
Deutschland als Reiseziel chinesischer Touristen. Von Wolfgang Georg Arlt, Walter Freyer (Hrsg.), Oldenbourg Verlag, München/Wien, 2008. ISBN 978-3-486-58359-5. 212 Seiten.

(2.307 Anschläge, 31 Zeilen, Dezember 2008)

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