Migration und Tourismus im Mobilitätskontinuum

„Mobilitäten in Europa“

Alban kam einst zu Fuß über die Berge aus Albanien nach Griechenland und hat sich auf Kreta zum Kellner hochgearbeitet. Lilly aus China reiste mit einem Studentenvisum nach Zypern, das inzwischen abgelaufen ist. Um ihre Schulden abzubezahlen, arbeitet sie illegal bei Thea, einer Deutschen, die einst als Touristin kam, einen Zyprioten heiratete und ein Café betreibt.

Im europäischen Mittelmeerraum treffen Reisende und Dienstleister – Einheimische wie Migranten – in verschiedenen und wechselnden Rollen aufeinander. Touristische und migrantische Praktiken überkreuzen und vermischen sich. In ihrem Buch „Mobilitäten in Europa“ erzählt Ramona Lenz Geschichten zwischen Frustration und Hoffnung, Erwartungen und Vorurteilen. Sie tut dies zum Zweck der Analyse verschiedener Formen von Mobilität, will damit aber nicht Polarisierungen folgen, sondern vielfältige Verschränkungen, Bedingtheiten und Überschneidungen aufzeigen.

Anhand von Beispielen aus Kreta und Zypern, zwei Regionen, die sie sowohl als Teil der europäischen „Vergnügungsperipherie“ als auch als „Hotspots des Migrationsgeschehens“ beschreibt, untersucht sie im Rahmen ihrer ethnografischen Dissertation Migration und Tourismus anhand eines Mobilitätskontinuums. Dabei wird auch der Umgang mit „erwünschter“ und „unerwünschter“ Mobilität im Rahmen des europäischen Grenzregimes analysiert. Das Konzept der „Gastfreundschaft“, das von sesshaften Gastgebenden und mobilen Gästen ausgeht, wird hinterfragt, ebenso wie das der „Authentizität“, die oft (nur) dem Schein nach gewahrt wird – wenn sich zum Beispiel Albaner in Griechenland als Griechen ausgeben.

Mobilitäten in Europa: Migration und Tourismus auf Kreta und Zypern im Kontext des europäischen Grenzregimes. Von Ramona Lenz. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2010. ISBN-13: 978-3531169675

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(1.688 Zeichen, Dezember 2015, TW 80)

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