Ländlichen Tourismus online buchbar machen

Christina Kamp
Drei Fragen an Charles Mony, Village Monde

’Vaolo.com’ ist eine neue Buchungsplattform, entwickelt von der kanadischen Nichtregierungsorganisation Village Monde, die sich in über 45 Ländern für gesellschaftliche Innovationen engagiert. Village Monde unterstützt die Entwicklung eines Netzwerks nachhaltiger Tourismusinitiativen in abgelegenen Gemeinschaften. ’Vaolo’ soll diesen Initiativen eine Alternative zu den gängigen Buchungsplattformen bieten. Ihr Begründer Charles Mony ist Segler und Unternehmer im Bereich Technologie. Wir fragten ihn nach der Entstehung, den Standards und dem Nutzen von ’Vaolo’ für die beteiligten Initiativen.

TW: Wie ist Ihre neue Buchungsplattform ’Vaolo’ entstanden?
Charles Mony: Das war in Madagaskar während eines Segeltörns, dort hatte das Projekt seinen Ursprung. Vaolo leitet sich zusammengezogen aus dem madagassischen Ausdruck "vao vao loharano" ab, der “neue Quelle” bedeutet.

In einem kleinen Dorf wurden wir wurden ganz außergewöhnlich empfangen. Zugleich nahmen wir jedoch wahr, wie prekär das Leben in dieser Gemeinschaft war. Ein Wirbelsturm, eine Krankheit, eine problematische Schwangerschaft – und dieses kleine ’Paradies’ könnte leicht zur Hölle werden. Doch wie ließ sich die immaterielle Fülle, die wir als Reisende empfanden, in einen Weg verwandeln, der Gemeinschaften aus ihrer prekären Situation herausführte? Das Konzept von Village Monde war geboren.

85 Prozent aller Entscheidungen für eine bestimmte Reise oder ein bestimmtes Zielgebiet werden im Internet getroffen. Die Tourismuswirtschaft gibt ein Vermögen dafür aus, sichtbar zu sein. Wie kann man kleinen Tourismusinitiativen helfen, die kaum Internetzugang haben und nicht über die entsprechenden Mittel verfügen, Sichtbarkeit und Zugang zum Reisemarkt zu bekommen? Die Initiativen Avlo in Benin, Tuyuk in Kirgisistan, Libertad im Amazonas, Tsaravahiny in Madagaskar und Chambok in Kambodscha bieten alle ganz besondere Erfahrungen in kleinen Ecken der Welt. Doch leider sind sie nur schwierig zu finden. Heute sind fast 500 solcher Initiativen auf der ’Vaolo’-Plattform auffindbar.

’Vaolo’ macht es möglich, die Gemeinschaften, die bereit sind, Gäste aufzunehmen, digital zu vernetzen und bietet einmalige Reiseerlebnisse: Begegnungs- und Entdeckungsreisen am Herzen der Erde und Authentizität in kleinen, abgelegenen Gemeinschaften abseits vom Rummel und dem industrialisierten Tourismus. Für die Gemeinschaften ist das Unterbringen von Gästen eine Quelle ihres Lebensunterhalts und bringt ihnen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen.

TW: Wie identifizieren Sie die Projekte, die Sie aufnehmen?
Charles Mony: Seit wir ’Vaolo’ 2017 auf den Weg gebracht haben, ist die Plattform rasch gewachsen und schnell bekannt geworden. Sie hat eine ganze Gemeinschaft von Forschern, Reisenden, Bloggern, Gastgebern, Dörfern, Nichtregierungsorganisationen, Praktikanten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern mobilisiert. Sie alle sind daran beteiligt, das neue Netzwerk zu entwickeln.

Jede Woche erhalten wir viele Vorschläge für neue Zielgebiete. Nachdem wir in Frage kommende Initiativen identifiziert haben, wird jede einzelne von ihnen beurteilt, besucht und geprüft. Wir erkunden Land für Land, Region für Region und Gemeinschaft für Gemeinschaft, um diese Tourismusinitiativen zu prüfen und sie einzuladen, Teil unseres Netzwerks zu werden. Es ist mühevolle Kleinarbeit, doch wir haben Glück, dass wir so viel Unterstützung und Hilfe bekommen.

Village Monde hat einen Referenzrahmen und ein Gütesiegel entwickelt, das den Anbietern von Unterkünften und den Gemeinschaften kostenlos zur Verfügung stellt. Das Gütesiegel von Village Monde basiert auf acht global geltenden Kriterien, die nicht nur touristische Standards abdecken. Es geht auch um die Qualität und Authentizität der Erfahrungen und vor allem um die positiven Wirkungen der Initiativen auf die Gemeinschaften:

  • Qualität der Unterkunft und Infrastruktur;
  • Respekt vor der Umwelt, Umweltschutz und Umweltqualität;
  • Qualität des Empfangs, Authentizität und Beteiligung am Dorfleben;
  • Verbesserung der Lebensverhältnisse, Erreichbarkeit und Abgeschiedenheit;
  • Mögliche Aktivitäten;
  • Sozio-ökonomischer Nutzen;
  • Index für Autonomie, Stolz und Gerechtigkeit;
  • Empfang und Management der Unterkünfte.

Jedes Jahr unterstützen wir auch Programme für nachhaltige Erkundungen, um junge Reisende in die Entwicklung des Netzwerks einzubeziehen und die Zertifizierung neuer Initiativen voranzubringen.

TW: Was tut 'Vaolo’ für gemeindebasierte Tourismusinitiativen in praktischer Hinsicht?
Charles Mony: Wenn die Initiativen einmal geprüft und mit dem Gütesiegel von Village Monde zertifiziert sind, werden sie kostenlos mit der Vaolo-Plattform verknüpft. Village Monde kümmert sich um die Werbung und das digitale Marketing und sichert eine sehr aktive Präsenz in Blogs und sozialen Medien mit fast 150.000 Abonnenten (Bürgerinnen und Bürgern, Gastgebern, Unterstützern, Reisenden).

Village Monde bietet abgelegenen Gemeinschaften auch Unterstützungsprogramme in den Bereichen Unternehmensführung, Training, Verbesserungen und Entwicklung des Netzwerks an.

Um die Plattform möglichst wirkungsvoll zu machen, ist sie für Unterkünfte und abgelegene Gemeinschaften kostenlos. Eine Spende in Höhe von zwölf Prozent jeder Reservierung wird von den Reisenden erbeten. Dieser Beitrag dient zur Entwicklung des Netzwerks und um die ’Vaolo’-Plattform zu verbessern und zu bewerben.

Jeder Reisende kann durch die Wahl seines Reiseziels etwas bewirken. Von einem Gast, der zwei bis drei Tage in einer Gemeinschaft bleibt, profitieren zehn bis zwanzig Familien. Unsere größte Herausforderung besteht jetzt darin, das Netzwerk auszuweiten und diese Art zu reisen zu einem neuen Trend zu machen.

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