Im Laufrad auf dem Tanker

"Ende einer Illusion. Warum ökologisch korrekter Konsum die Umwelt nicht retten kann"

Nachhaltiger Konsum könnte die Welt nur retten, wenn er eine globale Massenbewegung würde. Dass das aber unwahrscheinlich ist, zeigt Armin Grunwald in seinem Büchlein "Ende einer Illusion". Selbst wenn viele Menschen sich wie Hamster im Laufrad bemühten, ihren Lebensstil nachhaltig zu gestalten, nütze dies wenig, wenn die Laufräder auf einem riesigen Tanker stünden, der in die falsche Richtung steuere. Nicht der individuelle Konsum – wenngleich dieser durchaus so nachhaltig wie möglich sein sollte – sondern das politische und gesellschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger spielt laut Grunwald eine Schlüsselrolle. Hilfreicher als zum Beispiel die Kompensation der Emissionen von Flugreisen zur Beruhigung des eigenen Gewissens sei das Eintreten für nachhaltigere politische Rahmenbedingungen, wie die Besteuerung von Kerosin. Statt durch den "moralischen Zeigefinger" müssten Verhaltensänderungen dann im Rahmen der Konsumentensouveränität unter neuen Rahmenbedingungen erfolgen. Der Autor plädiert für eine "politische Globalisierung" als Gegenstück zur ökonomischen Globalisierung und für eine kritische Weltöffentlichkeit, wie sie sich in Ansätzen schon zeige. Auf die "Macht" der Verbraucher zu setzen, sei dagegen "Selbstberuhigung" angesichts zunehmend dramatischer Szenarien – und letztlich "kollektiver Selbstbetrug".

Ende einer Illusion. Warum ökologisch korrekter Konsum die Umwelt nicht retten kann. Von Armin Grunwald. Oekom Verlag, München, 2012. ISBN 9783865813091

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(1.453 Zeichen, 20 Zeilen, September 2012)