"Happy hour in paradise"

Christina Kamp
Alkohol und Tourismus in Thailand und Kambodscha

Piña colada in Puerto Rico, Mojito in Cuba, Singapore Sling und Jamaican Rum - Alkohol und Tourismus gehen Hand in Hand. Die Getränkeindustrie verwendet zur Vermarktung alkoholischer Getränke exotische Urlaubsbilder, während bei vielen Reiseangeboten Alkohol nicht selten als verkaufsförderndes Argument eingesetzt wird. Der Tourismus trägt in vielen Zielgebieten zur Verbreitung neuer Trinkgewohnheiten bei. Dies stellt Sara Heine vom schwedischen Tourismus-Netzwerk "Schyst Resande" in einer Studie über Alkohol und Tourismus fest. Sie zeigt anhand von Beispielen aus Thailand, Kambodscha und anderen Ländern, dass der Tourismus eine der Ursachen für einen steigenden Alkoholkonsum in den Zielgebieten sein kann - mit schwerwiegenden Folgen.

Weltweit sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2,6 Millionen Todesfälle (insgesamt 3,8 Prozent) pro Jahr auf Alkohol zurückzuführen. Alkohol ist nicht nur ein Gesundheitsproblem sondern spielt auch in Bezug auf verschiedene Entwicklungshemmnisse eine nicht zu unterschätzende Rolle: ein wesentlicher Teil des Einkommens armer Haushalte geht dafür verloren, die häusliche Gewalt nimmt zu, es passieren mehr Verkehrsunfälle und HIV/Aids breitet sich schneller aus. Der Bericht macht deutlich, dass weltweit Männer sehr viel mehr Alkohol trinken als Frauen und sehr viel häufiger an den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen leiden.

Durch die Globalisierung und den Tourismus sowie entsprechende Marketing-kampagnen der Getränkeindustrie entwickeln sich neue Konsummuster. Der tatsächliche Einfluss des Tourismus ist schwer zu schätzen, doch mehrere Studien haben gezeigt, dass die bessere Verfügbarkeit von Alkohol in der näheren häuslichen Umgebung bei Einheimischen zu einem höheren Konsum führt. Das Konsumverhalten der Touristen im Urlaub beeinflusst das der Einheimischen im Alltag. Die Konkurrenz unter den Händlern führt zu sinkenden Preisen, was alkoholische Getränke für Einheimische erschwinglicher macht. Besonders deutlich zeigt sich das in Gegenden, in denen vor der touristischen Erschließung nur wenig Alkohol getrunken wurde.

Die Getränkeindustrie profitiert von dieser Entwicklung, denn der Markt in Nordamerika und Europa hat nicht mehr viel Wachstumspotenzial. Im Gegensatz dazu wird beispielsweise für den indischen Markt vorausgesagt, dass der Absatz sich durch Erschließung neuer Zielgruppen noch um das 20fache steigern ließe. Touristen und die Getränkeindustrie sind in der Lage, die Politik und Gesetzgebung in Bezug auf Alkohol auf verschiedene Weise zu beeinflussen. Dies geschieht etwa durch Veränderungen der Altersbeschränkungen oder die Regulierung des Verkaufs.

Kambodscha ist eines von vielen armen Ländern, in denen es keine wirksame Alkohol-Gesetzgebung gibt. Es ist kein Mindestalter festgelegt, ab dem Alkohol gekauft werden darf. Auch die Werbung für alkoholische Getränke und das Marketing sind nicht regu­liert. Ohne Zweifel schafft die Getränkeindustrie Arbeitsplätze und generiert Einkom­men. Doch dem stehen hohe Kosten gegenüber: verlorene Lebensjahre, Krankheiten, Unfälle, Gewalt und geringeres Arbeitseinkommen. Die gesellschaftlichen Kosten sind deutlich höher als die wirtschaftlichen Vorteile. Das Leid, dass durch Alkohol entsteht, lässt sich nicht gegen vermeintliche positive soziale Effekte des Alkoholkonsums auf­rechnen.

Happy hour in paradise. On alcohol and tourism in Thailand, Cambodia and the rest of the world. Von Sara Heine. 2010. Download: www.schystresande.se/upl/files/43498.pdf

(3.604 Anschläge, 48 Zeilen, März 2011)

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