Grenzen überwinden – für den Kinderschutz

Mohammed Mahuruf und Shiva Sivananthan
Die Dynamik von Destinationsworkshops zum Kinderschutz in Sri Lanka

Jahr für Jahr werden in armen Regionen Tausende Kinder von Touristen ausgebeutet. Auch Sri Lanka ist aufgrund der schwachen Durchsetzung geltenden Rechts seit vielen Jahren ein Hotspot für Kindersextourismus. Seit über 25 Jahren arbeitet ECPAT Sri Lanka daran, diese Art von Ausbeutung zu verhindern. Nach Destinationsworkshops mit dem Deutschen Reiseverband (DRV) werden nun breit angelegte Initiativen zum Schutz von Kindern im Tourismus auf den Weg gebracht.

Einen wesentlichen Durchbruch zum Kinderschutz im Tourismus in Sri Lanka gab es 2012. Eine Gruppe deutscher Reiseveranstalter und Partner des Deutschen Reiseverbandes organisierten zusammen mit ECPAT Deutschland und PEaCE (Protecting Environment and Children Everywhere – ECPAT Sri Lanka) einen Workshop zum Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus. An diesem ersten Destinationsworkshop nahmen über 70 Vertreterinnen und Vertreter aus der sri-lankischen Tourismuswirtschaft der Touristenpolizei und weiteren relevanten staatlichen Tourismus- und Kinderschutzbehörden teil.

Der Workshop bot Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, Umsetzungsmöglichkeiten zu diskutieren und über die Hindernisse beim Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung zu sprechen. Eine besondere Herausforderung war, dass einige Reiseveranstalter befürchteten, Kundschaft zu verlieren, wenn sie deren illegalen Interessen nicht nachgaben. Auch wurde festgestellt, dass es für einige der Kinder an den Stränden üblich geworden war, sich für Gefälligkeiten wie Markenkleidung und teure Handys an Touristen zu verkaufen. Auf dem Workshop wurden Lösungen diskutiert, zum Beispiel wie sich das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen erhöhen lässt.

Doch die Zeit war noch nicht reif, um in Sri Lanka offen über Verbrechen in Verbindung mit dem Tourismussektor zu sprechen. Sie wurden einfach ignoriert. Wenige Wochen nach dem Workshop erhielten wir bei PEaCE Besuch und Drohungen von der Touristenpolizei, weil wir Sri Lanka als Hotspot für die Ausbeutung von Kindern bezeichnet hatten. Es wurde versucht, uns davon abzubringen, unsere Initiativen fortzusetzen, obgleich die Touristenpolizei nichts gegen unsere Organisation in der Hand hatte. Selbst nachdem wir Presseberichte und andere Beweise vorgelegt hatten, gingen die Schikanen noch monatelang weiter.

Wir hörten jedoch nicht auf, weiter Lobby- und Sensibilisierungsarbeit zu betreiben. Auf dem DRV-Workshop 2012 hatten wir Beziehungen zu verschiedenen Tourismusunternehmen geknüpft, die wir in den folgenden Jahren weiter ausbauten. Wir organisierten mehrere Informations- und Trainingsprogramme für Tourismusanbieter. Die Unternehmen wurden sich der Verbrechen endlich stärker bewusst. Nachdem wir ihnen Zeitungsartikel und ausgewählte Berichte von Fällen, an denen wir arbeiteten, vorlegten, haben sie die Problematik zunehmend akzeptiert. Nach und nach entstand in der Tourismusbranche in Sri Lanka Interesse am Kinderschutz.

Destinationsworkshops 2017 und Follow-Up

Fünf Jahre nach dem ersten Workshop wurde am 2. Oktober 2017 in Negombo ein zweiter DRV-Workshop abgehalten, und ein dritter am 4. Oktober in Galle. Zu den Workshops kamen 60 bzw. 30 Teilnehmer, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Tourismuswirtschaft sowie von Kinderschutz- und Regierungsinstitutionen.

In Folge dieser internationalen Workshops organisierte PEaCE im Dezember 2017 zusammen mit ECPAT International und der Tourismusbehörde Sri Lankas (Sri Lanka Tourism Development Authority – SLTDA) eine nationale Konsultation zu verantwortungsvollen Geschäftspraktiken zum Schutz von Kindern im Tourismus. Darin ging es nicht nur um Erfahrungsaustausch. Die über 60 Beteiligten diskutierten auch intensiv an runden Tischen über Kinderschutzmaßnahmen im Tourismus.

Es wurde ein Follow-up-Workshop gefordert, der dann im Januar 2018 stattfand. Dort wurde nun eine siebenköpfige ehrenamtliche Steuerungsgruppe gebildet, unter anderem mit einem Vertreter der Tourismusbehörde SLTDA. Er lud PEaCE ein, bei einigen Initiativen des Tourismusministeriums in verschiedenen Teilen der Insel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Dank der Zielgebietsinitiative, die der DRV und ECPAT angestoßen haben, ist die sri-lankische Tourismusbranche wesentlich sensibler für die Gefahren geworden als noch vor einigen Jahren. Die Steuerungsgruppe bringt derzeit ein Sensibilisierungsprojekt auf den Weg, das auch einen künstlerischen Wettbewerb für Kinder beinhaltet. Elemente der Gewinner-Bilder sollen genutzt werden, um ein Logo für ein neu einzurichtendes, unabhängiges Kinderschutz-Gremium zu erstellen, dem auch die Mitglieder der Steuerungsgruppe angehören sollen. Der Wettbewerb soll auf die Verbrechen aufmerksam machen und das neue Gremium in der Öffentlichkeit bekannt machen. In Hotels im ganzen Land sollen Aufklärungsprogramme durchgeführt und Informationsbroschüren verteilt werden.

Auf der nationalen Konsultation versprach der Generaldirektor der SLTDA, die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Tourismus bis 2020 zu beenden. Unabhängig von den Statistiken sind wir fest davon überzeugt, dass sich die Tourismusbranche in Sri Lanka in den kommenden Jahren stärker um den Kinderschutz kümmern wird.

Mohamed Mahuruf ist einer der Mitbegründer, Vorsitzender und Direktor von PEaCE. Er arbeitet seit über 30 Jahren zum Kinderschutz. Shiva Sivananthan ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei PEaCE.

Übersetzung aus dem Englischen: Christina Kamp

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