Geplatzte Träume

Christina Kamp
Arbeitsmigranten in der Hotellerie in Dubai

Harte Arbeit, eingezogene Pässe und Zwölf-Stunden-Arbeitstage ohne Pausen und ohne bezahlte Überstunden – das ist nach einem Bericht der schwedischen Organisationen Swedwatch und Fair Action die Realität von Arbeitsmigrantinnen und -migranten in der Hotellerie in Dubai. Millionen ausländische Arbeitkräfte, z.B. aus den Philippinen oder Südasien, bilden in Dubai das Rückgrat der Tourismuswirtschaft. Sie arbeiten auf Hotel-Baustellen, als Kellner in Restaurants oder als Zimmermädchen in Hotels. Von dem Geld, das sie verdienen, schicken sie einen großen Teil an ihre Familien in die Heimat.

In ihrem Bericht „Shattered Dreams” untersuchten Swedwatch und Fair Action die Arbeitsbedingungen von Migranten in drei ausgewählten Hotels in Dubai. Alle drei Hotels schränken die Arbeitenden in ihren Freiheiten ein, indem sie ihre Pässe einziehen. Die Angestellten müssen oft weitaus länger als das rechtlich vorgesehene Maximum von neun Stunden pro Tag arbeiten und werden für Überstunden kaum oder gar nicht bezahlt. In zwei Hotels gaben befragte Mitarbeiter an, sie hätten dafür bezahlt, einen Arbeitsplatz zu bekommen – eine Praxis, die in Dubai illegal ist, doch oft fließt das Geld an Arbeitsvermittler in den Heimatländern.

In der Falle

Für Arbeitskräfte, die nicht direkt bei den Unternehmen angestellt sind, in denen sie arbeiten, sondern bei Subunternehmen wie Leih- oder Zeitarbeitsfirmen, stellt sich die Situation noch problematischer dar. In Interviews beschreiben zwei Afrikaner, wie sie von Arbeitsvermittlern mit falschen Unterlagen und falschen Versprechungen nach Dubai gelockt wurden. Sie erzählen, dass sie in der Heimat Familienbesitz verkauft haben, um sich die Vermittlung nach Dubai leisten zu können. Doch als sie in Dubai ankamen, hätten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen müssen. Dadurch gerieten sie in eine Zwangslage. Erfüllen sie die an sie gestellten Bedingungen nicht, droht ihnen die Abschiebung.

Eine Hauptursache des Problems in Dubai ist das „Kafala”-System. Danach brauchen ausländische Arbeitskräfte einheimische Bürgen, die während des Aufenthaltes für sie verantwortlich sind. Für ungelernte Arbeiter ohne ausreichend Schulbildung ist es praktisch unmöglich, sich vor Ablauf einer Frist von zwei Jahren einen neuen Bürgen zu suchen, egal wie schlecht die Arbeitsbedingungen sind.

Handlungsbedarf für Reiseveranstalter

Swedwatch und Fair Action weisen darauf hin, dass solche Praktiken internationale Richtlinien wie die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und nationales Arbeitsrecht verletzen. Um die Situation zu verbessern, brauchen Reiseveranstalter standardisierte Vorgehensweisen, um negative Auswirkungen auf die Menschenrechte aufdecken und verhindern zu können, so die Herausgeber. Sie schlagen einen Katalog von Maßnahmen vor, die Veranstalter konkret umsetzen können, um gerade in Ländern, in denen Arbeiterrechte häufig missachtet werden, besonders gefährdetes Personal zu schützen. Reiseveranstalter müssten mindestens sicherstellen, dass die Hotels, mit denen sie zusammenarbeiten, vor Ort die Gesetze achten und dass die Pässe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht einbehalten werden.

Shattered dreams. Migrant workers and rights violations in the Dubai tourism sector. Von Olof Björnsson. Hg. Swedwatch/Fair Action, 2015. Download: www.swedwatch.org/en/reports/shattered-dreams#sthash.Q9A3vNva.dpuf

(3.306 Zeichen, Dezember 2015, TW 81)

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