Gefährliche Ermüdung

"Endspiel" - Der neue Bericht an den Club of Rome

Die Regenwälder dieser Welt sind so bedroht wie nie, doch erhalten sie kaum mehr die Aufmerksamkeit, die den dadurch entstehenden Gefahren und Herausforderungen angemessen wäre. Im neuen Bericht an den Club of Rome zeigt der langjährige Generaldirektor des WWF International, Claude Martin, welch vielfältigem und starkem Druck diese für das Leben auf diesem Planeten so wichtigen Ökosysteme ausgesetzt sind. Zwar sei es schwierig, Waldverluste genau zu erfassen. Doch Fernerkundungsdaten zeigten die massive Umwandlung von Wäldern in Sojaplantagen und Rinderweiden. Ganze Waldgebiete fallen Ölpalmenmonokulturen zum Opfer. Hinzu kommen Holzeinschlag und Brandrodung. Zumeist seien Armut und wirtschaftliche Interessen die treibenden Kräfte hinter den Waldverlusten.

Der Klimawandel verstärke die Bedrohungen, denn fragmentierte Wälder sind besonders anfällig gegenüber längeren und häufigeren Dürren, durch die die Waldbrandgefahr steigt. Nachdem die Regenwälder heute noch als Kohlenstoffsenken gelten, könnten großflächige klimainduzierte Veränderungen in den Tropenwaldökosystemen diese noch innerhalb dieses Jahrhunderts in signifikante Quellen für atmosphärisches CO2verwandeln und die globale Erwärmung weiter beschleunigen.

Die Gefahr ist enorm. Doch die Staaten stünden dem Problem nicht machtlos gegenüber. Eine langfristige globale Wiederbewaldung sei nicht ausgeschlossen, auch wenn die aktuellen Entwaldungsdynamiken noch eine andere Sprache sprechen, meint der Autor. In Brasilien sei die Entwaldungsrate zurückgegangen als die Waldumwandlung für kommerzielle Zwecke zurückging. Politische Strategien und Anreizstrukturen spielen eine bedeutende Rolle. Konkret empfiehlt der Autor zum Beispiel der Europäischen Union und Nordamerika, Rechtsvorschriften zu erlassen, um die Biotreibstoffeinfuhr aus Regenwaldgebieten zu verbieten.

Regierungshandeln allein und multilaterale Vereinbarungen wie etwa die Biodiversitätskonvention reichten nicht aus, so ein Fazit des Berichts. Nur im Verbund mit geeigneten ökonomischen, sozialen und politischen Strukturen hätten die tropischen Regenwälder eine Überlebenschance.

Endspiel. Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können. Von Claude Martin, Oekom Verlag, München. 352 Seiten, ISBN 978-3-86581-708-2.

-ck-

(2.123 Zeichen, Juni 2015, TW 79)

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