Fußball-WM Südafrika: Mehr als ein Spiel

"South Africa's World Cup. A Legacy for Whom?"

Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist "mehr als nur ein Spiel" – sie ist auch ein globalisiertes kommerzielles Unterfangen. Mit Beiträgen verschiedener Autorinnen und Autoren hat Eddie Cottle unter dem Titel "South Africa's World Cup. A Legacy for Whom?" eine kritische Analyse der Auswirkungen der WM 2010 in Südafrika zusammengestellt. Das Buch ist 2011 erschienen und bietet wertvolle Lernerfahrungen auch für andere aktuelle und zukünftige große Sportereignisse. Mit "Unterschätzte Kosten, überschätzter Nutzen" lässt sich der Tenor der meisten Bewertungen zusammenfassen.

Die WM 2010 war die klimaschädlichste aller bisherigen Fußball-Weltmeisterschaften, schreibt Tristen Taylor in einem Kapitel über den ökologischen Fußabdruck der als so umweltfreundlich vermarkteten WM. Die Kohlendioxidemissionen seien achtmal höher gewesen als bei der WM in Deutschland 2006. Rund 67 Prozent der insgesamt 2,7 Megatonnen CO2-Äquivalente wurden dabei dem internationalen Flugverkehr zugeschrieben, weitere 19 Prozent dem Verkehr innerhalb Südafrikas, 12,6 Prozent dem Energieverbrauch der Unterkünfte sowie knapp über ein Prozent dem Bau und der Nutzung der Stadien. Wären mehr WM-Tickets an Besucher aus anderen afrikanischen Ländern statt an Touristen aus Übersee verkauft worden, hätten sich die Umweltauswirkungen deutlich niedriger halten lassen – doch kommerzielle Interessen hätten ganz gezielt genau das Gegenteil bewirkt. Das einzige, was an der WM "grün" war, waren die US-Dollar-Scheine, so Taylors Fazit.

Ein zentraler Ausgangspunkt für das Buch war die Situation der Bauarbeiter im Vorfeld der WM. Darum geht es in mehreren Beiträgen. Das Großereignis habe eine Intensivierung der Ausbeutung von Arbeitskräften ohne entsprechende Verbesserungen bei den Löhnen und Arbeitsbedingungen bewirkt. Südafrika habe mit der WM 2010 zwar bewiesen, dass es "entwickelt" genug sei, um die stringenten Kriterien des Weltfußballverbandes FIFA zu erfüllen – jedoch zu hohen Kosten und zu Lasten dringenderer Investitionen, die dem Land mehr gesellschaftlichen Nutzen hätten bringen können. Nicht nur Südafrika, quasi der gesamte afrikanische Kontinent sollte für ausländische Direktinvestitionen und als Reiseziel salonfähig gemacht werden. Von den Interessen der Arbeiterschicht habe sich der weltweit beliebteste Sport so weit entfernt, dass Cottle für eine Rückbesinnung auf den "menschlichen und öffentlichen Charakter des Sports" plädiert.

South Africa's World Cup. A Legacy for Whom? Von Eddie Cottle (Hg.) University of KwaZulu-Natal Press. Scottsville, 2011. 349 Seiten. ISBN: 978-1869142162

-ck-

(2.431 Zeichen, Juni 2014)

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