Ferntourismus im Jahr 2050

2050 Scenarios for Long-Haul Tourism in the Evolving Global Climate Change Regime

Eine uneingeschränkte Zunahme der Flugverkehrsemissionen ist mit den Klimastabilisierungszielen nicht vereinbar. Wie die Zukunft des Ferntourismus im Jahr 2050 je nach heutigen politischen Weichenstellungen aussehen könnte, beschreiben Shaun Vorster, Marius Ungerer und Jako Volschenk anschaulich in vier verschiedenen Szenarien. Diese Szenarien können helfen, den Status quo besser zu verstehen und die Risiken eines „Weiter wie bisher"-Ansatzes besser abzuschätzen.

Die Entwicklung des Ferntourismus in den kommenden vier Jahrzehnten hängt wesentlich von der zukünftigen Klimapolitik und vom Umgang mit dem Flugverkehr im neuen globalen Klimaabkommen ab. Emissionsbezogene Beschränkungen (Emissionsobergrenzen und/oder kostenpflichtige Emissionsrechte) werden Auswirkungen auf den Ferntourismus haben. Doch ohne derartige Beschränkungen steht die langfristige Nachhaltigkeit – nicht nur im Tourismus – auf dem Spiel.

Noch ist unsicher, was für ein neues globales Regelwerk bei den UN-Klimaverhandlungen herauskommen wird. Auch ist offen, ob der politische Wille für ein globales Sektorabkommen zur Kontrolle der internationalen Flugverkehrsemissionen unter der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) vorhanden ist. Je nach dem skizzieren die Autoren vier Szenarien, von denen einzig das „Green Lantern"-Szenario wünschenswert ist. In diesem Szenario gelingt es, das Wachstum des Flugverkehrs von dem der Emissionen abzukoppeln. Damit dieses Szenario Wirklichkeit wird und die gefährliche Erderwärmung zwei Grad Celsius nicht überschreitet, müssen in allen Ländern und allen Wirtschaftssektoren große, gemeinsame und proaktive Anstrengungen unternommen werden.

Was ein verlorenes Jahrzehnt ausmachen könnte, zeigt das Szenario vom „gefallenen Engel", das durch Marktversagen und politisches Versagen charakterisiert ist. Die Tourismuswirtschaft nimmt darin eine reaktive Rolle ein, die Luftfahrtindustrie eine abwartende. In diesem ebenso wie im „Sensenmann"-Szenario wird die Erderwärmung in diesem Jahrhundert mehr als 3,5 °C betragen. Der Klimawandel führt damit zur Überschreitung ökologischer Kipppunkte, mit verheerenden sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen auch in vielen touristischen Zielgebieten. Das Versagen der internationalen Politik wird nicht ohne einen gewissen Sarkasmus beschrieben: „Die ICAO war mit sehr viel wichtigeren Herausforderungen beschäftigt, darunter dem Sicherheitsmanagement (z.B. Cyber-Terrorismus) und Navigationsaspekten im Zusammenhang mit der raschen Zunahme des Flugverkehrs."

Wenig plausibel ist das vierte, das „Florence Nightingale"-Szenario, in dem es zwar zu einem Umsteuern im Tourismus (und dort mehr als in anderen Sektoren) kommt, aber nicht dank erfolgreicher internationaler Politik, sondern unter dem Druck hoher Ölpreise.

Damit das wünschenswerte „Green Lantern”-Szenario Wirklichkeit werden kann, braucht es, so die Autoren, Führungsstärke in der Politik und Wirtschaft sowie Verhaltensänderungen auf Seiten der Touristen. Zugleich müssen die Zielgebiete Warnsignale erkennen und effektive Vorkehrungen treffen.

2050 Scenarios for Long-Haul Tourism in the Evolving Global Climate Change Regime. Von Shaun Vorster, Marius Ungerer und Jako Volschenk, University of Stellenbosch Business School/Südafrika, 2012, In: Sustainability 2013, 5, 1-51. ISSN 2071-1050. Download: www.mdpi.com/2071-1050/5/1/1

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(3.079 Zeichen, März 2013)