Ethikkonvention im Tourismus: „Überstürzt und intransparent”

Die Mitgliedsstaaten der Welttourismusorganisation (UNWTO) haben am 15. September ein Rahmenabkommen zu Ethik im Tourismus verabschiedet. Die Konvention fußt auf dem Globalen Ethik-Kodex für Tourismus und soll ihm mehr Verbindlichkeit bei Regierungen und Unternehmen verschaffen. Als „historisch“ bezeichnete der scheidende Generalsekretär der UNWTO, Taleb Rifai, das Abkommen. Es zeige, dass die Mitgliedsstaaten sich verpflichtet fühlten, „Tourismus als eine Kraft für eine bessere Zukunft für alle Menschen zu etablieren“.

Der Roundtable Human Rights in Tourism hatte den Entwurf für die Konvention im Vorfeld kritisiert. Der Prozess sei intransparent und wirke überstürzt, hieß es in einem offenen Brief an die Welttourismusorganisation (UNWTO). Weder die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte noch die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) würden ausreichend berücksichtigt. Außerdem gliedere man Mechanismen einer Schlichtung in ein Zusatzprotokoll aus, das von allen Mitgliedstaaten separat ratifiziert werden müsse. Das stelle die Glaubwürdigkeit der Konvention ernsthaft in Frage.

Neben Unternehmen aus der Tourismusbranche, Verbänden und weiteren Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich gehört auch Brot für die Welt – Tourism Watch dem Roundtable an.

Weitere Informationen:

Welttourismusorganisation (UNWTO)

Offener Brief zum Entwurf einer Ethikkonvention im Tourismus

-udi-

(September 2017, TW 88)

Stichworte: