Eine Frage des Überlebens

Christina Kamp
Drei Fragen an Fei Tevi, Pazifische Lirchenkonferenz, Fidschi

Die pazifische Inselwelt ist für den Klimawandel besonders anfällig. Er entscheidet in dieser Region über Leben und Tod, und das nach den Befürchtungen des Generalsekretärs der Pazifischen Kirchenkonferenz (PCC), Fe'iloakitau Kaho Tevi, eher früher als später. Je nach geografischen Bedingungen wirken sich die Klimaveränderungen auf den einzelnen Inseln unterschiedlich aus. Um herauszufinden, welche Folgen der Klimawandel im Pazifik heute schon für das Leben der Menschen und für den Tourismussektor hat, befragten wir den "Klimazeugen" Fei Tevi anlässlich seines Deutschland-Besuchs im September 2008.

TW: Was bedeutet Klimawandel für die Menschen im Pazifik? Und für den Tourismus? Fei Tevi: Weil die pazifischen Inseln so klein sind, leiden sie besonders unter dem Klimawandel. Unsere Inseln versinken im Meer. Die ersten Siedler verlassen ihre Inseln, andere bereiten sich auf die Umsiedlung vor, ohne Hoffnung, jemals wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Auf Korallenatollen wie Kiribati, Tuvalu, den Marshall-Inseln und anderen kleineren Inseln erodiert durch den steigenden Meeresspiegel die Küstenlinie. Wo das Trinkwasser salzig ist, können Menschen nicht mehr leben. Unsere Ernährungssicherheit steht auf dem Spiel. Immer mehr Grundnahrungsmittel wie z.B. Reis müssen wir importieren. In größeren Ländern vulkanischen Ursprungs, wie in Papua Neuguinea, auf den Salomonen, Fidschi, Samoa, Vanuatu und Tonga werden die Niederschläge intensiver. Es kommt zu Überflutungen und Ernteeinbußen und dem Tod von Menschen. Immer häufiger treten Wirbelstürme auf und die Temperaturen verändern sich. Die Ökosysteme unser Küsten werden in Mitleidenschaft gezogen. Durch den Klimawandel gehen Kulturlandschaften verloren und die Menschen, die an der Küste leben, werden vertrieben. Diese Auswirkungen des Klimawandels werden mit Sicherheit auch das Einkommen aus dem Tourismus schmälern. Zu den direkten Auswirkungen der globalen Klimaveränderungen gehören höhere Temperaturen und weniger Wasserverfügbarkeit. Die Umwelt verändert sich so sehr, dass die biologische Vielfalt an Land und in den Tauchrevieren verloren geht. Die Korallenbleiche und die Küstenerosion sind klassische Beispiele dafür. Wenn neue politische Handlungskonzepte gegen den Klimawandel eingeführt werden, wie z.B. Steuern auf CO2-Emissionen, müssen wir damit rechnen, dass sich die Mobilität der Touristen verändert. Es könnte sein, dass immer mehr Konsumenten auf Mittel- und Langstreckenflüge dann eher verzichten werden.

TW: Welche Möglichkeiten der Anpassung an den Klimawandel haben sie? Fei Tevi: Es müssen konkrete Informationen über die Kosten und den Nutzen verschiedener Anpassungsmöglichkeiten gesammelt werden. Vom Tourismus auf andere Wirtschaftszweige umzustellen, ist eine Möglichkeit, die einige der pazifischen Inselstaaten in Erwägung ziehen müssen. Eine bessere Strategie wäre ein umweltfreundlicher Tourismus. Wir beobachten, dass auch der Tourismus für die Menschen im Pazifik zu einer zerstörerischen "Flutwelle" geworden ist. In Tahiti zum Beispiel konkurrieren die Einheimischen mit den Touristen um ihr Trinkwasser. Neue Tourismusformen sollten Bildungsreisen zum Thema Klimawandel und zu den Auswirkungen auf die Menschen im Pazifik beinhalten. Man könnte Fluggesellschaften und Hoteliers bitten, von ihren Gewinnen Geld für erneuerbare Energien, CO2-Reduktion und Anpassungsbemühungen in den Zielgebieten zur Verfügung zu stellen, und sie sollten die Touristen anregen, ebenfalls einen Beitrag zu leisten. Die Schlüsselakteure in der Tourismuswirtschaft im Pazifik sollten ihre Abhängigkeit vom Öl reduzieren und in erneuerbare Energien investieren.

TW: Welche Art von Solidarität erwarten Sie aus dem Tourismus-Sektor? Fei Tevi: Der Tourismus sollte die Idee von "Solidaritätstourismus" beinhalten. Touristen sollten angeregt werden, die pazifische Inselwelt nicht nur "zum Spaß" zu besuchen, sondern auch um einen gesellschaftlichen und ökologischen Beitrag zu leisten. Das Bewusstsein für Treibhausgas-Emissionen muss erhöht werden und die Tourismusunternehmen brauchen dafür benutzerfreundliche Informationen. Die Standards im Tourismus in einzelnen Ländern sollten um Maßnahmen gegen den Klimawandel ergänzt werden. Klimawandel und nachhaltiger Tourismus sollten in die Lehrpläne und Trainingsprogramme touristischer Ausbildungsgänge aufgenommen werden. Nicht zuletzt sollten Tourismusunternehmen den Klimawandel im Rahmen eines langfristig angelegten Risikomanagements angehen und uns helfen, unseren Lebensstil zu bewahren.

Während seines Deutschland-Besuchs im September 2008 forderte Fei Tevi gemeinsam mit anderen "Klimazeugen" aus verschiedenen Teilen der Welt die deutsche Bundesregierung auf, eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die Klimawandel einzunehmen und auf einen weiteren Ausbau von Kohlekraftwerken zu verzichten. Weitere Informationen: www.eed.de (4.651 Anschläge, 63 Zeilen, September 2008)

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