Ein letzter Aufruf: 'Und tschüss! Was wir anrichten, wenn's uns in die Ferne zieht'

Christina Kamp

Leo Hickman, Journalist bei der britischen Tageszeitung 'Guardian', hat sich auf den Weg gemacht, zu einigen der spannendsten 'Hotspots' des globalen Tourismus, auf der Suche nach den Folgen dessen, 'was wir anrichten, wenn's uns in die Ferne zieht'. Er hat sie gefunden: unterm Gletschervlies in den Schweizer Alpen, in Dubai, wo die Zukunft des Tourismus bereits begonnen hat, auf den Golfplätzen von Benidorm, in den Gogo-Bars von Patpong und Pattaya und auf einer Kreuzfahrt in der Karibik.

Er hat die Augen aufgehalten, nachgedacht und nachgefragt. Er hat mit Menschen gesprochen, die Tourismus verwalten und gestalten oder sich damit auskennen. Doch ebenso hat er Menschen zu Wort kommen lassen, die zum Spielball mächtiger Wirtschaftsinteressen geworden sind und kaum Möglichkeiten haben, ihre Situation zu verbessern. Andere haben im Tourismus immerhin ein bescheidenes Auskommen finden können. 'Wir sind nur die Menschen, die hier leben. Wenn man sich das als Pyramide vorstellt, bilden wir die unterste Reihe und die wenigen an der Spitze können uns nicht hören', erklärt ihm der mexikanische Tourleiter Manuel.

Auf anschauliche und unterhaltsame Weise berichtet Hickman von seinen Einsichten und Erlebnissen. Im englischen Original heiß sein Buch 'Final Call' und ist ein letzter Aufruf, unsere Ferien mit neuer Erfindungskraft und Fantasie anzugehen und den Tourismus zu einer positiven Kraft werden zu lassen. Doch wie auf den Flughäfen dieser Welt reiht er sich ein in eine Vielzahl letzter Aufrufe, wenngleich eindringlicher und nachdrücklicher als die meisten anderen. Der Titel der deutschen Übersetzung wirkt pessimistischer: 'Und tschüss!'.

Und tschüss! Was wir anrichten, wenn's uns in die Ferne zieht. Von Leo Hickman. Übersetzt von Marion Hertle, 440 Seiten, ISBN 978-3-86612-162-1, Pendo Verlag, München/Zürich, 2008.

(1.938 Anschläge,27 Zeilen, Juni 2008)