ECPAT Global Study zur sexuellen Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus

Die am 12. Mai von ECPAT International veröffentlichte „Global Study on Sexual Exploitation of Children in Travel and Tourism“ zeigt, dass das Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus weltweit stark zugenommen hat. „Diese Ergebnisse sind besonders erschreckend und sie sollten noch mehr Akteure aus allen Bereichen dazu motivieren, sich gemeinsam für das Ende der sexuellen Ausbeutung und zum Schutz von Kindern auf Reisen und im Tourismus konsequent einzusetzen“ sagt Antje Monshausen, zweite Vorsitzende von ECPAT Deutschland und Leiterin von Tourism Watch bei Brot für die Welt.

Mit dem rasanten Wachstum der Tourismusbranche und der Zunahme der internationalen Reisen gehen steigende Risiken und Gefahren für Kinder einher. Dabei sind geflüchtete Minderjährige und Kinder, die Minderheiten angehören oder auf der Straße leben, besonders gefährdet.

Auch das Internet und mobile Technologien haben die Zunahme der sexuellen Ausbeute von Kindern verstärkt und dazu beigetragen, dass neue Formen von sexueller Ausbeutung entstehen, bei denen Täter vollkommen anonym bleiben können. Weiße, westliche, wohlhabende Männer mittleren Alters sind nicht mehr die alleinigen typischen Täter. Es sind auch Geschäftsreisende, Auswanderer oder Freiwillige. Die Studie zeigt, dass einheimische Reisende den größten Anteil darstellen, darunter viele sogenannte „Gelegenheitstäter“. Dabei handelt es sich um Personen, die Kinder sexuell ausbeuten, weil sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet und weil sie das Gefühl haben, dass ihr Handeln keine strafrechtlichen Konsequenzen haben wird.

Gesetze zum Kindesschutz wirken diesen neuen Entwicklungen und den damit einhergehenden Risiken bisher zu wenig entgegen. Wenig ausgereifte Meldeverfahren, schwache Gesetzgebung und mangelnde Strafverfolgen führen dazu, dass die Zahl der Verurteilungen erschreckend niedrig ist, was bedeutet, dass der Großteil der Täter nicht strafrechtlich belangt wird.

Die von ECPAT international initiierte und über zwei Jahre durchgeführte Studie bietet eine fundierte Datengrundlage zu sexueller Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus, aus der sich unter anderem folgende Empfehlungen ableiten lassen:

  • Weltweit anwendbare Meldeverfahren, sodass Kinder überall in der Lage sind, Vorkommnisse ohne Angst vor Verfolgung zu berichten;
  • Zusammenarbeit mit Internetdienstanbietern, um die zunehmende sexuelle Ausbeutung von Kindern über das Internet zu bekämpfen;
  • Internationales System zum Informationsaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden;
  • Ausweitung von Opferschutzmaßnahmen und Unterstützungsangeboten für betroffene Kinder.

Dr. Najat Maalla M’jid, frühere UN Sonderberichterstatterin zum Verkauf von Kindern, Kinderprostitution und Kinderpornographie, mahnt „umfassende Maßnahmen an, um alle Kinder, egal, an welchem Ort sie sich befinden, vor diesem schrecklichen Verbrechen zu schützen. Dafür tragen wir alle Verantwortung.“

Website zur Studie:  http://www.globalstudysectt.org

Pressemitteilung von ECPAT Deutschland: http://www.ecpat.de/fileadmin/user_upload/Presse_und_Termine/2016-05-12_Global_Study_PM_final.pdf