TO DO! 2016 für sozialverantwortlichen Tourismus

Aus Indien und Mexiko stammen die diesjährigen Gewinner des TO DO! Wettbewerbs für sozialverantwortlichen Tourismus 2016, den der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e. V. seit 1995 jährlich ausschreibt. Einer der Preise geht an „Kabani“ im südindischen Bundesstaat Kerala. Mit einer Doppelstruktur aus Nichtregierungsorganisation und Sozialunternehmen macht Kabani auf die negativen Auswirkungen des Tourismus aufmerksam und befördert gleichzeitig als Gegenmodell eine nachhaltige, partizipative Dorfentwicklung. In den verschiedenen beteiligten Dörfern sind die Gäste direkt in Familien untergebracht und bekommen Einblicke in das Leben der Dorfbevölkerung.

Mit der Gästebetreuung nach einem Rotationsprinzip erwirtschaften die Gastgeber ein Zusatzeinkommen, z.B. um Verluste in der Landwirtschaft abfedern zu können. Es werden keine separaten Unterkünfte gebaut oder touristische Infrastruktur geschaffen. Jegliche Investitionen der Familien in die Verbesserung ihres Lebensumfelds, z.B. in den Bio-Anbau von Obst und Gemüse und die Kompostierung organischer Abfälle, kommen in erster Linie den Familien zugute. Doch auch die „Qualität“ von Homestays wird damit neu definiert – weg von Zimmergröße und Ausstattung, hin zu einem nachhaltigen Lebensstil und zwischenmenschlichem Austausch. Ein Teil des Einkommens aus den Programmen fließt in Dorfentwicklungsfonds, denn laut Kabani haben auch die Dorfbewohner, die nicht direkt mit den Gästen zu tun haben, ein Recht darauf, vom Tourismus in ihren Dörfern zu profitieren. Weitere Teile fließen in Trainingsprogramme, in den Auf- und Ausbau demokratischer Entscheidungs- und Kontrollstrukturen, in die Entwicklung von Kleinstunternehmen sowie in die politische Lobby- und Kampagnenarbeit.

Ein weiterer TO DO! geht an die „Pueblos Mancomunados“ in der Region Sierra Norte im Bundesstaat Oaxaca in Mexiko. Hier hat die zapotekische Bevölkerung verschiedener zu einer Gemeinschaftsinitiative zusammengeschlossener Dörfer ein sozialverantwortliches Tourismusmodell etabliert, das stark auf ehrenamtlichen Einsatz setzt. Die Region verfügt über vorbildliche traditionell vorhandene und rechtlich abgesicherte kommunale Selbstverwaltungsstrukturen, die auf den Sitten und Gebräuchen der Bevölkerung aufbauen. Der Tourismus wird als gemeinschaftliche soziale Aufgabe verstanden. Im Rahmen eines alle drei Jahre abzuleistenden unbezahlten Arbeitsjahres betreuen die Dorfbewohner ihre Gäste.

Zusätzlich sind einige von ihnen auch privatwirtschaftlich engagiert. Der Tourismus ist eines von mehreren wirtschaftlichen Standbeinen im Dorfzusammenschluss. Die verschiedenen Dörfer haben ein jeweils eigenes Profil entwickelt, so dass sie den Gästen je nach Präferenzen unterschiedliche Erfahrungen und Aktivitäten mit den Menschen, ihrer Kultur und der Natur in einer der „grünen Lungen“ Mexikos bieten können.

Am 10. März 2016 um 15 Uhr werden die Preisträger auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) im Palais am Funkturm in Berlin ausgezeichnet.

Weitere Informationen: www.to-do-contest.org, www.kabanitour.com, www.sierranorte.org.mx

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(2.996 Zeichen, März 2016, TW 82)

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