Die Wiederverzauberung Singapurs

"Religion und Tourismus"

Chinesische Tempel, Moscheen und verschleierte Menschen, hinduistische Feste als "Entertainment": In Reiseführern tauchen religiöse Bezüge immer wieder in verschiedener Weise auf. Am Beispiel des "Lonely Planet Singapore" hat Religionswissenschaftlerin Regina Tödter untersucht, wie die verschiedenen Religionen des kleinen Landes für Touristen dargestellt werden. Singapur wurde als Beispiel für "suggerierte perfekte Multikulturalität, Harmonie und Moderne" gewählt. Die Autorin stellt fest, dass chinesische Religionen, Islam und Hinduismus wiederholt exotisierend und orientalisierend beschrieben werden, und das nicht zufällig. Über einen Zeitraum von 20 Jahren, für den sie den Lonely Planet Singapore untersucht hat, seien derartige Beschreibungsmuster wiederholt und bewusst verwendet, ausgebaut und präzisiert worden. Die Beschreibungen seien vereinfachend und teils irreführend, pauschalisierend und zeitlos. Religion werde zur "Ressource", zur touristischen Komponente.

Es wird deutlich, dass der Reiseführer eine gewisse "Macht" hat: "Bilder und Vorstellungen über die Religionen Singapurs werden aufgegriffen, konzipiert, bestätigt, aber auch entkräftet. Verhaltensstrukturen werden entworfen, Tourismusströme gesteuert und Blicke gelenkt, indem besonders Sehenswertes ausgewählt wird." Die Religionen Singapurs (oder die religiösen Versatzstücke) würden als "kulturelle Besonderheit" für kommerzielle Zwecke instrumentalisiert.

Religion und Tourismus. Darstellungen von Religionen im Lonely Planet Singapore. Von Regina Tödter, ibidem-Verlag, Stuttgart, 2014. 120 Seiten, ISBN 978-3-8382-0571-7

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(1.441 Zeichen, Dezember 2014, TW 77)

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