Die touristische Aufrüstung der Alpen

"Wie der Zirkus in die Berge kam. Die Alpen zwischen Idylle und Rummelplatz"

Bereits in den 1970er Jahren waren die Schäden durch den Massentourismus in den Alpen deutlich sichtbar. Doch die touristische "Aufrüstung" ging weiter. Unter dem Titel "Wie der Zirkus in die Berge kam" präsentiert der Alpenkenner Karl Stankiewitz auf rund 300 Seiten eine ausführliche Geschichte der Erschließung der Alpen – angefangen beim Ausbau des transalpinen Verkehrsnetzes über die Ausbreitung des Wintersports bis hin zur künstlichen Beschneiung, die den Skitourismus auch in Zeiten des Klimawandels sichern soll. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Temperaturen in den Alpen mit 1,6 Grad doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Die Folgen zeigen sich in schmelzenden Gletschern und beginnendem Artensterben. Durch Kunstschnee soll dem Schneemangel entgegengewirkt werden, mit dem infolge der Erderwärmung in Zukunft vermehrt gerechnet werden muss. Doch zugleich trägt diese Technologie mit ihrem enormen Energieverbrauch zum Klimawandel bei. Etwa 3.100 Schneekanonen (Stand 2007) verbrauchen pro Jahr und Hektar etwa 260.000 Megawattstunden Strom und eine Million Liter sauberes Wasser.

Der Autor beschreibt die Folgen des Massentourismus für die empfindlichen Ökosysteme der Region und zeigt auch, wie Wege gesucht werden, um die Natur des Alpenraums zu schützen. Die Alpen, merkt Stankiewitz an, seien nur ein Beispiel für die komplexen Probleme vieler Bergwelten. Die Globalisierung ziehe viele Gebirge der Welt in ähnliche Entwicklungen hinein.

Wie der Zirkus in die Berge kam. Die Alpen zwischen Idylle und Rummelplatz. Von Karl Stankiewitz. Oekom Verlag, München, 2012. 302 Seiten. ISBN 9783865813107

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(1.595 Zeichen, 21 Zeilen, September 2012)