Die Agenda 2030 als Referenzrahmen

Christina Kamp
Anstöße zur Gestaltung der Tourismuswende

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung als neuer Handlungsrahmen der internationalen Staatengemeinschaft soll helfen, Nachhaltigkeit und Entwicklung gleichsam zu befördern. Zentraler Bestandteil der im September 2015 verabschiedeten Agenda sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und die dazu gehörigen 169 Zielvorgaben. Doch die Agenda 2030 ist mehr als die Summe der einzelnen Ziele. Sie ist ein Beschluss, eine grundlegende, strukturelle „Transformation unserer Welt“ voranzutreiben. Ganz besonders nötig ist eine solche Transformation im Tourismus, der als Wohlstandsphänomen viele Probleme dieser Welt widerspiegelt, aber auch Chancen für Lösungen bietet.

Unter dem Titel „Tourismuswende. Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung: Die Transformation im Tourismus gestalten“ hat Tourism Watch – Brot für die Welt zusammen mit dem Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung und TourCert eine Publikation vorgelegt, die dazu aufruft, den Auftrag der Agenda 2030 zu erfüllen und über die SDGs hinauszudenken. In dem Standpunkt-Dokument wird deutlich, dass sich die Ziele nicht mit einem „Weiter wie bisher“-Ansatz erreichen lassen. Die Politik wird auch unbequeme Herausforderungen wie die nötige Abkehr vom Konsumwachstum konsequent angehen müssen.

Im Gegensatz zur Welttourismusorganisation (UNWTO), die allein auf die 17 Ziele als Anknüpfungspunkte für positive Beiträge des Tourismus zu Entwicklung und Nachhaltigkeit setzt, fordert die „Tourismuswende“ mehr. Die Autorinnen und Autoren machen deutlich, dass „nachhaltiger Tourismus“, wie er in SDG-Zielvorgabe 8.9 genannt ist, keineswegs als Aufruf zur Tourismusförderung gesehen werden darf. Die Zielvorgabe sollte vielmehr als dringendes Gebot verstanden werden, den Tourismus in nachhaltige Bahnen zu lenken. Die Staaten der Welt sind aufgerufen, die Agenda entsprechend ihrer unterschiedlichen Herausforderungen in nationale Politik umzusetzen. Dabei wird auch in den reichen Ländern ein erheblicher Entwicklungs- bzw. Veränderungsbedarf gesehen.

Wirkungen und Auswirkungen des Tourismus im Blick haben

Mit Zielvorgabe 12.b fordert die Agenda 2030, Instrumente zur Beobachtung der Auswirkungen des Tourismus auf die Nachhaltigkeit von Entwicklung zu entwickeln und einzusetzen. In Zielvorgabe 14.7 geht es um die nachhaltige Nutzung von Meeresressourcen, unter anderem durch nachhaltiges Tourismusmanagement zur Förderung wirtschaftlicher Entwicklung für kleine Inselentwicklungsländer und am wenigsten entwickelten Länder.

Doch nicht nur wo Tourismus in der Agenda 2030 explizit erwähnt ist, sind die SDGs für die „Tourismuswende“ relevant. Viele weitere Ziele und Zielvorgaben sind wichtig, zum Beispiel die Stärkung kleiner Nahrungsmittelproduzenten, die Gleichstellung der Geschlechter, der Schutz von Arbeitsrechten, die Verringerung von Ungleichheit, der nachhaltige Umgang mit natürlichen Ressourcen, Klimaschutz, der Schutz von Kindern vor Ausbeutung und Gewalt sowie partizipative Entscheidungsprozesse.

Eine zentrale Rolle spielt Ziel 12, in dem es darum geht, nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster zu erreichen. Mit diesem Ziel wird die Katze im Genick gepackt, die sich immer wieder so gerne in den Schwanz beißt: Touristen müssen nachhaltige Konsumentscheidungen treffen, doch dazu brauchen sie entsprechende Angebote und Anreize. Unternehmen müssen nachhaltig wirtschaften und ihre Produkte und Dienstleistungen an Nachhaltigkeitsstandards ausrichten, doch das tun sie erst, wenn ihre Kunden dies verlangen und sie darin Wettbewerbsvorteile sehen. Die 2030-Agenda macht deutlich, dass beides zeitgleich und rasch erfolgen muss. Denn 15 Jahre sind kein langer Zeitraum, in dem man es sich leisten könnte, erst einmal weiter abzuwarten.

Weitere Informationen:

Tourismuswende. Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung: Die Transformation im Tourismus gestalten. Brot für die Welt (Hg.) in Kooperation mit dem Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung und TourCert. Berlin, 2016. Download: www.tourism-watch.de

Tourism and the Sustainable Development Goals. United Nations World Tourism Organization (Hg.), Madrid, 2016. Download: www.e-unwto.org/doi/pdf/10.18111/9789284417254

(3.718 Zeichen, März 2016, TW 82)

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