Der Kampf ums Wasser

Ernest Cañada
Die Ausbreitung des Tourismus in Costa Rica eindämmen

In der Provinz Guanacaste in Costa Rica ist es zwischen Gemeinschaften und Hotel- sowie Immobilienprojekten zu einer Reihe intensiver Konflikte um Wasser gekommen. Der Bauboom und das Spekulationsfieber seit dem Ende der 1990er Jahre haben die Region als eines der wichtigsten Urlaubsziele in Mittelamerika positioniert. Angesichts des trockenen tropischen Klimas und des geringen Niederschlags über Teile des Jahres ist die Verfügbarkeit von Trinkwasser für den Erfolg oder das Scheitern vieler touristischer Investitionsprojekte von zentraler Bedeutung.

Die lokalen Gemeinschaften nutzen das Grundwasser für ihren täglichen Wasserbedarf und zur Bewässerung. Wird intensiv Wasser abgezapft, sinkt der Wasserspiegel. So kann Meerwasser eindringen und den Wasserleiter versalzen, sodass den Gemeinschaften nicht mehr genug Wasser zur Verfügung steht. Im vergangenen Jahrzehnt führte dies immer häufiger zu sozio-ökologischen Konflikten.

Einstweiliger Erfolg für Sardinal

Der Gemeinschaft von Sardinal im Kanton Carrillo ist es 2007 gelungen, nach einem langen Kampf gegen die Regierung von Costa Rica den Bau einer Wasserleitung für den Tourismussektor zu stoppen. Eunice Contreras, einer der Gemeindevorsteher von Sardinal, erklärte: „Eines Nachts stellten wir fest, dass sie dabei waren, eine Wasserleitung zu verlegen. Wir begannen nachzuforschen und fanden heraus, dass das illegal war, denn die notwendigen Studien waren nicht erstellt worden und die entsprechenden Genehmigungen lagen nicht vor. Wir organisierten ein Komitee zur Verteidigung und zum Schutz des Wassers. Wir verteilten Flugblätter, machten Lautsprecherdurchsagen, besuchten die Menschen zuhause, um direkt mit ihnen zu sprechen, und protestierten. So gelang es uns zum Glück, die Bauarbeiten zu stoppen. Obwohl damals viele Menschen verhaftet wurden, blieb die Gemeinschaft standhaft in ihrem Bestreben, ihre Wasserressourcen zu schützen. Wir gingen auch zweimal in Berufung, bis der Oberste Gerichtshof anordnete, die Bauarbeiten einzustellen.“ Außerdem erhielt die Regierung die Auflage, unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger neue technische Studien anfertigen zu lassen, sollte das Projekt wieder aufgenommen werden.

Gefahr noch nicht gebannt

Die Finanzkrise brachte viele Bauprojekte zum Stillstand. Das bedeutete einige Jahre Frieden für Sardinal. In den vergangenen Jahren jedoch wurde wieder angefangen zu bauen. Erneut wächst der Druck, Grundwasser aus Sardinal abzuleiten. Gadi Amit, Präsident der Umweltorganisation Confraternidad Guanacasteca, ist überzeugt, dass es sich noch immer um das gleiche Projekt handelt. „Die Unternehmer sind mit voller Kraft wieder da und wollen Projekte konsolidieren und abschließen. Diese Ambitionen werden durch die aktuelle politische Krise in Costa Rica gestärkt, die durch Korruption und politische Misswirtschaft geprägt ist. So lassen sich Gesetze umgehen.“

Es gibt bereits mehrere Gemeinschaften, die mit den Auswirkungen der Versalzung ihres Grundwassers leben müssen. „In Folge der Übernutzung durch Hotels wurde in den Küstengebieten des Distrikts Sardinal der Grundwasserleiter von Playa Panamá versalzen. Die Gemeinschaften bekommen kein Wasser mehr und sind jetzt davon abhängig, dass andere Gemeinschaften ihnen Wasser zur Verfügung stellen“, sagte Eunice.

Erneuter Widerstand

Nachdem der Bau der Wasserleitung von Sardinal ein Jahrzehnt lang ausgesetzt war, wurde er Ende 2017 wieder aufgenommen. Eunice Contreras führt erneut die Widerstandsgruppe der Gemeinde an: „Wir haben Angst, dass wir schließlich kein Wasser mehr haben werden, denn die Leitungen haben einen Durchmesser von über einem halben Meter. Außerdem werden die Erderwärmung und das Risiko von Dürren in Guanacaste nicht berücksichtigt. Diese Wasserleitung stellt für die Gemeinschaft eine enorme Bedrohung dar.“

Nach mehreren Protesten, die wieder zu Konfrontationen zwischen der Polizei und der Gemeinschaft, der Festnahme mehrerer Anwohner und starken Repressionen führten, wurde im Dezember vergangenen Jahres ein Dialog zwischen der Regierung und der Gemeinschaft eröffnet. Die Gemeindevorsteher machen sich jedoch nicht viel Hoffnung. „Vor ein paar Tagen sollten sie uns die Unterlagen der neuen, aktuellen technischen Studien vorlegen. Aber sie sagten uns, dass sie diese noch nicht fertig gestellt hätten und nur ein laufendes Monitoring des Grundwasser-Systems erfolge“, erklärte Eunice.

Auch Gadi Amit drückte seine Enttäuschung aus: „Obwohl es uns gelungen ist, einen Dialog zu eröffnen, an dem die Regierung mit einem Minister und der Führungsriege des costa-ricanischen Instituts für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung beteiligt ist, ist das alles irgendwie eine Lüge. Die Regierung will nur Zeit gewinnen. Es ist ein Raum für einen Dialog zwischen ungleichen Parteien. Außerdem gehen die Bauarbeiten weiter und die Wasserleitung ist fast fertig. Berufungen vor Gericht funktionieren nicht." Die Gemeinschaft von Sardinal will weiter kämpfen. "Wir werden, wenn nötig, weiter auf die Straße gehen“, versicherte Eunice.

Dem Tourismus Einhalt gebieten

Für viele Gemeinschaften ist das Wachstum des Tourismus zu einer Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen geworden. Es wird immer notwendiger, der Ausbreitung des Tourismus irgendwie Einhalt zu gebieten. In einem Hirtenbrief von Monseñor Vitorino Girardi aus der Diözese Tilarán-Liberia vom 19. Juni 2009 wurde ein Moratorium für neue Wasserkonzessionen für den Tourismus und kommerzielle Zwecke vorgeschlagen. Immer mehr Gemeinschaften entlang der Küste von Guanacaste sprechen sich gegen den Bau weiterer Tourismus- und Wohnungsbauprojekte aus. „Das Problem ist, dass sie nicht dazu beitragen, das Leben der Anwohner zu verbessern. Sie erfordern große Investitionen in die Infrastruktur, die nur einigen wenigen Investoren zugute kommt“, sagte Gadi Amit.

Ernest Cañada ist Koordinator von "Alba Sud”, einem unabhängigen Zentrum für Recherchen zu verantwortlichem Tourismus und menschenwürdiger Arbeit. Er unterrichtet an der Universität Barcelona.

Übersetzung aus dem Spanischen ins Englische: Carla Davidson

Redaktionelle Bearbeitung und Übersetzung aus dem Englischen: Christina Kamp

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