Climate Trek Helambu

Bimal B.K. und Janine Adler
„Neue Energie“ für nepalesische Gemeinden stärkt den nachhaltigen Tourismus

2015 wurde Nepal von massiven Erdbeben erschüttert. Hunderttausende Häuser wurden zerstört. Insbesondere die Region Helambu nordöstlich von Kathmandu war stark betroffen. In dieser Region stellt der Tourismus die Haupteinkommensquelle dar. Mehr als zwei Jahre nach dem Erdbeben läuft der Wiederaufbau noch immer. Darin liegt eine Chance, den Tourismus nicht nur wiederzubeleben, sondern ihn auch umweltfreundlicher zu gestalten.

Die Klimaschutz-Organisation atmosfair und der Verband nachhaltiger Reiseveranstalter forum anders reisen entschieden sich 2015 gemeinsam, den Wiederaufbau in der Region Helambu zu unterstützen und dabei besonders auf erneuerbare Energien zu setzen. So war die Idee zum ersten „klimafreundlichen Trek“in Nepal geboren, dem Climate Trek Helambu.

Seitdem ist die Vision weiter gediehen. Sie beinhaltet nun effiziente und umweltfreundliche Trekking-Erlebnisse mit verbesserter Bewirtung und Service in den einzelnen Lodges mit höheren Komfortstandards. Dank erneuerbarer Energien ermöglicht der Climate Trek Reisen mit einem niedrigeren CO2-Fußabdruck. Die Kompensation von CO2-Emissionen bildet die finanzielle Grundlage der Initiative. Touristen, die Teile des ökologischen Fußabdrucks ihrer Reise über atmosfair ausgleichen, finanzieren so dieses gemeinschaftliche Pilotprojekt.

Umweltfreundliche Unterkünfte

Normalerweise müssen die Besitzer der Lodges und die Menschen, die entlang des Climate Treks leben, weite Strecken zu Fuß gehen und schwere Säcke Holz für ihren täglichen Bedarf schleppen. Außerdem müssen sie für den weiteren Energiebedarf häufig auch Petroleum oder Paraffin kaufen. Mit dem Climate Trek sollen erneuerbare Energien eingeführt werden, darunter effizientere Kochstellen, Biogasanlagen, Solarenergie (Solarthermie und Photovoltaik). Dadurch verbessert sich die Luftqualität für die Familien, Rohstoffe werden eingespart und Geld gleich mit dazu. Das Projekt beinhaltet auch ein geregeltes Abwasser- und Abfallmanagement.

Insgesamt umfasst der Trek eine Trekking-Route mit zwölf Lodges, alle in individuellem Design. Sie werden erdbebensicher gebaut. Das gilt auch für die beiden Schulen und Gesundheitsstationen, die ebenfalls Teil des Projekts sind.

Klimawandel verstehen

Eine große Herausforderung bei der Anpassung an den Klimawandel in Nepal besteht darin, dass die Maßnahmen der Regierung im Rahmen der lokalen und nationalen Anpassungspläne nicht ausreichen werden. Die Folgen des Klimawandels sind aber bereits deutlich spürbar. Die 86-jährige Lodgebesitzerin Putali Sherpa erzählt: „Ich bin sehr alt und habe erlebt, wie sich alles hier verändert. Um diese Jahreszeit sollte es hier Schnee geben, doch seit ein paar Jahrzehnten bleibt er aus. Ich bin froh, dass ich immer viel zu essen hatte, wunderschöne schneebedeckte Berge und eine gute Gesundheit. Doch ich habe Zweifel, ob mein Enkelsohn das auch noch erleben wird.“

Um Wissen über die Auswirkungen des Klimawandels zu vermitteln und den Menschen vor Ort Klimaschutz- und Anpassungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wird das Projekt um ein umfassendes Bildungsprogramm zu Klimafragen erweitert. Schulkinder, ihre Eltern, Lodgebesitzer, Beamte der lokalen Verwaltung, Einwohner von Helambu und Touristen werden an Workshops und Trainingsprogrammen teilnehmen. Damit schaffen sie die Voraussetzungen für eine naturschonende Lebensweise sowie bewusste Konsum- und Reiseentscheidungen.

Nachhaltige Lebensgrundlagen

Dank der Unterstützung beim Bau nachhaltiger Unterkünfte mit hohen Komfort- und Servicestandards werden die Lodgebesitzer und ihre Familien die Gästezimmer zu Preisen vermieten können, die ihren Lebensunterhalt sichern. Die Lodgebesitzer werden ihre Einkommens- und Vermögensverluste dadurch rasch wieder ausgleichen können. Die ökologische Landwirtschaft und Mahlzeiten aus biologisch angebauten und lokalen Produkten werden helfen, die Natur zu schützen und die Denkweisen aller am Tourismus Beteiligten zu verändern.

Zusammenarbeit mit Partnern

Um ein Projekt wie den Cimate Trek Helambu zum Leben zu erwecken, braucht es viele Partner vor Ort. Zum Beispiel hilft die Entwicklungsorganisation Samarth in Kathmandu bei der architektonischen Gestaltung der Gebäudeund der Koordination vor Ort. Der Wiederaufbau der Lodges und eine an die jeweiligen Gegebenheiten angepasste Auswahl erneuerbarer Energien und energieeffizienter Systeme werden vom Ingenieurbüro S.W. Nepal überwacht. Vier lokale Reiseagenturen kümmern sich um dieReiseorganisation für die Gäste, die über das forum anders reisen nach Nepal kommen.

Ein Projekt, das Schule machen kann

Mit allen Aspekten zur Stärkung der lokalen Wirtschaft, der umweltfreundlichen Entwicklung der touristischen Wertschöpfungskette sowie der Zusammenarbeit mit vielen Partnern ist der Climate Trek in Nepal ein Pilotprojekt. Purna Gautam, Miteigentümer einer umweltfreundlichen Lodge und Direktor einer Sekundarschule, sieht weitergehenden Bedarf: „Unser gesamtes Land braucht solche Unterstützung. Einerseits müssen wir unsere Tourismusunternehmen wieder funktionsfähig machen. Erst litten sie zehn Jahre lang unter dem Krieg und nun unter dem verheerenden Erbeben. Andererseits müssen wir bei der Entwicklung unserer Unternehmen und Haushalte Verantwortung für das Klima übernehmen“. Nicht nur in anderen Regionen Nepals, auch in anderen Teilen Asiens und der Welt ließe sich ein solcher Ansatz anwenden.

Bimal B.K. arbeitet für atmosfair in Nepal als Projektmanager des Climate Treks. Janine Adler koordiniert die Nepalprojekte von atmosfair von Berlin aus.

Übersetzung aus dem Englischen: Christina Kamp

Weitere Informationen:

Climate Trek Nepal

(November 2017, TW 89)

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