Brotbrechen und Brücken bauen

Christina Kamp
Drei Fragen an Elisa Moed und Christina Samara, Breaking Bread Journeys

Das Heilige Land, insbesondere Israel und Palästina, ist eine Region von herausragender religiöser und historischer Bedeutung. Zugleich kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu gewaltsamen Eskalationen und auch in den letzten Monaten hat die Region zumeist traurige Schlagzeilen gemacht. In einer israelisch-palästinensischen Kooperation organisieren "Breaking Bread Journeys" Reisen im Heiligen Land. Um mehr über ihre Arbeit in diesem schwierigen politischen Umfeld zu erfahren, sprachen wir mit Elisa Moed und Christina Samara, den Gründerinnen des Reiseveranstalters Breaking Bread Journeys.

TW: Ihr Unternehmen heißt „Breaking Bread Journeys“. Was bedeutet es für Sie, Ihre Gäste und deren Gastgeber, das "Brot zu brechen"?

Elisa Moed: Wir sind davon überzeugt, dass das gemeinsame Essen und das gemeinsame "Brotbrechen" die Basis sein kann, um eine Atmosphäre für einen sinnvollen Dialog zu schaffen und um zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Durch die persönliche Erfahrung des gemeinsamen "Brotbrechens" können die Gäste die Gemeinschaft der anderen genießen und aus erster Hand etwas über kulturelle, gesellschaftliche oder religiöse Fragen lernen. Wenn Menschen in einer persönlicheren Umgebung Gelegenheit haben, gemeinsam zu essen, sprechen die Gastgeber meist offener über ihre eigenen Lebensgeschichten und Erfahrungen. Sie können Themen diskutieren und Fragen beantworten, die in einem anderen Umfeld wahrscheinlich nicht zur Sprache kämen. Sie teilen ihre Ängste, Hoffnungen und Träume für die Zukunft. Gastgeber und Gäste sind dann leichter in der Lage, sich in einer würdevollen und respektvollen Atmosphäre auszutauschen.

Christina Samara: Wir meinen, dass ein tieferes Verständnis dieser wahren Gefühle die Menschen inspirieren wird, Lösungen für ein besseres Zusammenleben zu finden und Brücken zwischen den beiden Nationen zu bauen. Die Religion spielt insofern eine Rolle, als dass man die Erfahrung macht und aus erster Hand lernt, wie Religion und Traditionen, die in einem bestimmten Glauben verankert sind, den Lebensstil beeinflussen. Wenn die Teilnehmenden etwas über die unterschiedlichen Kulturen lernen, sind sie oft überrascht, dass wir uns eher sehr viel ähnlicher sind, als dass wir uns voneinander unterscheiden. Sie gehen mit einem tieferen Verständnis der Komplexitäten des politischen Konflikts und einer Wertschätzung der unterschiedlichen Kulturen und Menschen im Heiligen Land.

TW: Was sind angesichts der politischen Situation die größten Herausforderungen, vor denen Sie in Ihrer Arbeit stehen?

Christina Samara:Die politischen Spannungen im Heiligen Land waren schon immer eine Herausforderung für den Tourismus, nicht, weil es irgendeine Gefahr gibt, sondern aufgrund der Wahrnehmung von Gefahren, die von den Medien gefördert wird. Die Bilder im Fernsehen führen zu Unsicherheit und Angst bei interessierten Reisenden. Diejenigen, die schon einmal hier waren, wissen, dass es in Wirklichkeit nicht so ist. Das Heilige Land ist ziemlich sicher, bestimmt sehr viel sicherer als viele große Städte in Europa und den Vereinigten Staaten. Bei den meisten der Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse in unseren Reiseprogrammen gibt es keinerlei Sicherheitsprobleme, auch in der aktuellen Situation nicht.

Elisa Moed: Zusammengenommen haben wir 50 Jahre Erfahrung im Tourismusgeschäft und beobachten ständig die Sicherheitslage. Da wir unser Büro hier in Jerusalem haben, können wir bei Bedarf recht flexibel reagieren und unsere Reiserouten an jedem beliebigen Tag schnell anpassen, wenn wir eine bestimmte Gegend meiden sollten.

TW: Wie stellen Sie auf ihren Reisen eine gleichberechtigte israelische und palästinensische Beteiligung sicher, die Gästen wie Gastgebern zugute kommt?

Elisa Moed: Breaking Bread Journeys wurde auf Grundlage unserer gemeinsamen Vision gegründet, dass wir unseren Gästen die Schönheit der israelischen wie auch der palästinensischen Kultur, Folklore und Küche nahebringen wollen. Wir tun dies, indem wir unsere Kunden zu spannenden Sehenswürdigkeiten und Attraktionen sowohl in Israel als auch in den palästinensischen Gebieten bringen. Doch was noch wichtiger ist: Wir bringen sie auf beiden Seiten zu Gastgebern, die sie in deren eigenem Zuhause kennenlernen können. Jeder Reisetag ist in einer Erfahrung des "Brotbrechens" verankert Jedes dieser Segmente wird sorgfältig gestaltet, um die Authentizität der Erfahrung und die von den Gastgebern präsentierten Inhalte sicherzustellen.

Christina Samara: Indem wir als Israelin und Palästinenserin zusammenarbeiten, bringen wir unsere jeweils eigenen Perspektiven ein, die die Grundlage für das Gleichgewicht in jedem unserer Programme gewährleisten. Zusätzlich zu den gleichgewichtigen Inhalten und Erfahrungen bemühen wir uns auch, in Bezug auf die wirtschaftlichen Aspekte, eine Balance sicherzustellen. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Nichtregierungsorganisationen können wir dafür sorgen, dass das erwirtschaftete Einkommen direkt den Gemeinschaften vor Ort zugute kommt, unter anderem Familien, Frauen und Jugendorganisationen. Der faire Tourismus ist ein integraler Bestandteil unseres Leitbilds und wir bemühen uns sehr, Programme anzubieten, die nicht nur gleichgewichtig gestaltet sind, sondern auch den wirtschaftlichen Nutzen gerecht verteilen.

Weitere Informationen: www.breakingbreadjourneys.com

(5.284 Zeichen, Dezember 2014, TW 76)

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