All-inclusive: Weniger Trinkgeld, mehr Stress

"The impacts of all-inclusive hotels on working conditions and labour rights in Barbados, Kenya & Tenerife"

In der Tourismusbranche sind niedrige Löhne, prekäre Arbeitsbedingungen, lange Arbeitszeiten und Chancenungleichheit an der Tagesordnung. Wie die britische Organisation Tourism Concern in neuen Untersuchungen in Teneriffa, Kenia und Barbados festgestellt hat, sind die Arbeitsbedingungen in All-inclusive-Hotels in einigen Bereichen noch problematischer.

Lange Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden, Schichtarbeit mit zu kurzen Pausen und eine Verkürzung der Arbeitszeiten bei geringer Auslastung in der Hotellerie sind gang und gäbe. Die Entlohnung der Angestellten setzt sich aus Gehältern, Bedienungsgeld und Trinkgeldern zusammen. Zwar sind in allen Arten von Hotels die Löhne nach wie vor niedrig. Doch immerhin konnte Tourism Concern im Vergleich zu einer älteren Studie aus dem Jahr 2004 Verbesserungen gegenüber anderen Branchen feststellen.

Einige Nachteile stechen nach den Erkenntnissen von Tourism Concern in All-inclusive-Hotels besonders heraus. So bekommen die Mitarbeiter dort deutlich weniger Trinkgelder. Außerdem sind sie besonderem Stress ausgesetzt, denn in All-inclusive-Hotels verbringen die Gäste mehr Zeit auf dem Hotelgelände, so dass Gäste und Mitarbeiter häufiger miteinander zu tun haben. Dies erfordert von den Angestellten mehr so genannte "emotionale Arbeit".

Vor allem weibliche Angestellte sind unter Umständen sexueller Belästigung ausgesetzt – von Kollegen, Managern oder Gästen. Das Risiko erhöht sich dadurch, dass sie spät abends noch arbeiten müssen und dass in den Hotels viel Alkohol ausgeschenkt wird. Hinzu kommen Faktoren wie die Kleiderordnung, Rassismus, negative Einstellungen gegenüber Dienstpersonal und der manchmal sexualisierte Charakter des Tourismus.

In Barbados wurde festgestellt, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter oft vom einzelnen Unternehmen abhängt, egal, ob es sich um ein All-inclusive-Hotel handelt oder nicht. Allerdings hatten in Barbados in All-inclusive-Hotels 27 Prozent der Befragten Kurzzeitverträge – gegenüber nur neun Prozent in anderen Hotels. Das bedeutet mehr Arbeitsplatzunsicherheit und weniger Ausbildungsmöglichkeiten.

Allerdings beobachtet Tourism Concern trotz allem auch Fortschritte. Die Sozialpartnerschaft zwischen Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern hat in Barbados zur Unterzeichnung einer Reihe von Protokollen zur Lösung sozialer und wirtschaftlicher Probleme und zu einer gesetzlichen Festlegung der Rechte der Arbeiternehmer beigetragen. Vor diesem Hintergrund habe die Barbados Workers Union, die die Hotelangestellten vertritt, durch Tarifverhandlungen für die Hotelmitarbeiter viel erreicht.

The impacts of all-inclusive hotels on working conditions and labour rights in Barbados, Kenya & Tenerife. Von Tourism Concern, in Kooperation mit der International Union of Food, Agricultural, Hotel, Restaurant, Catering, Tobacco and Allied Workers’ Associations (Hg.), London, 2014. 24 Seiten.

Download: www.iuf.org/w/sites/default/files/WorkingConditionsinHotels.pdf

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(2.596 Zeichen, Juni 2014)

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