All inclusive – und nachhaltig

Anja Ruf
"Tourismus in Entwicklungs- und Schwellenländer"

Eine Urlaubslektüre ist dieser Band nicht: Die mit Tabellen und Grafiken reichlich versehene Studie ist gedacht für die Fachöffentlichkeit, die Tourismuswirtschaft, Medien, die entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit, Hochschulen oder auch die Tourismuspolitik. Von den rund 300 Seiten entfallen 172 auf die Darstellung der Ergebnisse einer Marktforschung im deutschen Urlaubsreisemarkt, die von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (F.U.R.) betreut worden ist. 8.000 Urlauber wurden interviewt und 52 Reiseveranstalter befragt.

Untersucht hat F.U.R. die Meinungen und Einstellungen der Deutschen, beispielsweise zu All-Inclusive-Reisen. Sie konnten Aussagen zustimmen oder nicht zustimmen wie: "In einer All-Inclusive-Anlage kann man sich besonders sicher fühlen", "Man muss sich um nichts mehr kümmern". Oder auch: "Geschäfte außerhalb verdienen nichts", "Man befindet sich in einem Ghetto und hat zur Außenwelt keinen Kontakt". Diese Art der Befragung erbrachte das Ergebnis, dass 84 Prozent der All-Inclusive-Urlauber solche Reisen buchen, weil sie billig sind. Zugleich möchte knapp die Hälfte dies jedoch am liebsten bei einem Reiseunternehmen tun, das vor Ort Einfluss nimmt auf die Gewährung von fairen Arbeitsbedingungen und Einkommen für die im Tourismus Beschäftigten.

All-Inclusive-Reisen sind nur einer von vielen untersuchten Aspekten, jedoch ein besonders interessanter. Denn diese Reisen sind beim Badetourismus in Entwicklungs- und Schwellenländern zur dominierenden Angebotsform geworden – und werden dies laut der Studie voraussichtlich auch in den kommenden Jahren bleiben. "Daher scheint es wichtig, diese Angebotsform nach Kriterien der Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung zu optimieren", so Dietlind von Laßberg, stellvertretende Vorsitzende des Studienkreises, in einer Presseinformation zu der Studie. Das ist in der Diskussion um nachhaltigen Tourismus ein neuer Gedanke. In den Ansätzen für mehr Nachhaltigkeit im Entwicklungsländer-Tourismus, die die letzten 90 Seiten der Publikation ausmachen, wird er noch nicht aufgegriffen.

Tourismus in Entwicklungs- und Schwellenländer. Eine Untersuchung über Dimensionen, Strukturen, Wirkungen und Qualifizierungsansätze im Entwicklungsländer-Tourismus – unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Urlaubsreisemarktes. Studienkreis Tourismus und Entwicklung (Hg.) Seefeld, 2013. Schriftenreihe Tourismus und Entwicklung, Seelfeld 2013, 303 Seiten. ISBN 978-3-9815367-5-1.

(2.092 Zeichen, Dezember 2013)