Ökotourismus in der Praxis

Eine äußerst anregende und hilfreiche Dissertation legte der Geograph Wolfgang Strasdas dem Fachbereich Umwelt und Gesellschaft an der Technischen Universität Berlin vor. Darin untersuchte er Ökotourismus nicht als Strategie zur Nachhaltigkeit des Tourismus, sondern ausdrücklich als Nische im Tourismusmarkt. Allerdings als eine Nische, die zur Unterstützung des Naturschutzes und ländlicher Gebiete, vor allem in Entwicklungsländern, eine erhebliche Bedeutung haben kann.

Stradas belegt, daß die Problematik der ökologischen und sozio-kulturellen Verträglichkeit im Ökotourismus eher zweitrangig ist. Viel schwieriger - und gleichzeitig spannender - sei dagegen die Umsetzung der sehr anspruchsvollen, sozio-ökonomischen und naturschutzpolitischen Ziele von Ökotourismus: Finanzierung von Schutzgebieten, Schaffung lokaler Einkommen und Erhöhung der Akzeptanz von Naturschutz. Dies gelte sowohl für touristisch bereits stark entwickelte Gebiete als auch für weniger erschlossene Regionen.

Strasdas ist überzeugt, daß das anspruchsvolle Konzept des Ökotourismus - trotz aller Kritik - realisierbar ist. Jedoch gelte es, vor allem ein zentrales Defizit zu überwinden: Die Akteure müssen ihre unterschiedlichen Grundhaltungen und Interessen überwinden und (besser) zusammenarbeiten; Akteure (neudeutsch "Stakeholders"), die aus dem Naturschutz und der ländlichen Entwicklungspolitik auf der einen, und aus dem Tourismus auf der anderen Seite kommen. Dazu entwickelte der Autor umsetzungsorientierte Empfehlungen, eine Checkliste und ein Beteiligungsmodell.

Vier ökotouristische Fallbeispiele stammen aus Mexiko und Belize: Das Bisosphärenreservat Calamul und Meeresschutzgebiete bei Cancún sowie das Projekt Rio Bravo Conservation und Management Area (RBCMA) und die Toledo Ecotourism Association (Gewinner des "To Do!"-Preises 1996).

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