Die Götter werfen die besten Googlys

Gebrauchsanweisung für Indien.

In seiner „Gebrauchsanweisung für Indien“ greift Ilija Trojanow gängige Klischees auf – und räumt mit ihnen auf, indem er sie in neuem Licht und von unterschiedlichen Seiten betrachtet. Die heiligen Kühe, die er dabei schlachtet, sind vor allem die der europäischen Wahrnehmung. Um typisch indische, mehrdeutige Begriffe wie Mantra, Aum, Guru, Maya, Tamasha oder Monsun bastelt Ilija Trojanow vergnügliche Reflektionen und Anekdoten. Er greift dabei auf ein Masala an Erfahrungen zurück und führt seine Leserinnen und Leser auf einen abwechslungsreichen und amüsanten Streifzug durch das heutige Indien und seine Widersprüchlichkeiten. Dabei treffen wir auch auf Alfred Ford, einen Unternehmer, der im Bundesstaat Himachal Pradesh eine gewaltige Skianlage mit siebenhundert Hotelzimmern und dreihundert Chalets, Seilbahnen und Skiliften errichten wollte. Das Projekt war von verschiedenen Seiten abgesegnet worden, vom Tourismusministerium und der Lokalverwaltung, nicht aber von den Göttern. Die machten ihm einen Strich durch die Rechnung, weil sie nicht wollten, dass ihre heiligen Plätze entehrt werden. „Alfred Ford … hatte nicht bedacht, wie tückisch etwas aufspringen kann, das geradlinig dahergeflogen kommt“, stellt Trojanow fest. Mit solchen „Googlys“, wie sie im Kricket – dem populärsten indischen Volkssport – besonders beliebt sind, sollte man in Indien immer rechnen.

Gebrauchsanweisung für Indien. Von Ilija Trojanow. Piper Verlag, München/Zürich, 2. Aufl., 2006. 169 Seiten. ISBN-13: 978-3492275521.

Hinweis: Für die „Gebrauchsanweisung für Indien“ erhält Ilija Trojanow auf der diesjährigen ITB einen Sonderpreis der „ITB BuchAwards“. Die Preisverleihung findet am 10. März 2007 um 17 Uhr auf der Show-Bühne im Palais am Funkturm statt.

-ck-

(1.751 Anschläge, 22 Zeilen, März 2007)