Aktuelles

Bericht zur Veranstaltung "Klimagerechtigkeit und Tourismus"

MM_20100604_3127_Ver.1.00.JPG

(Bonn, 08.07.2010) Anlässlich der Klimaverhandlungen in Bonn im Juni 2010 hat die Podiumsdiskussion "Klimagerechtigkeit und Tourismus - Mythen rund um Tourismus und Klimapolitik" stattgefunden. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Jahrestreffens des Europäischen Tourismusnetzwerkes statt.

Der Bericht zu dieser Veranstaltung steht hier in englischer Sprache als Download bereit.

 

 

Verantwortlich Reisen

In der aktuellen E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit 2010/07-08 ist ein Artikel "Verantwortlich Reisen" zum Themenschwerpunkt Corporate Social Responsibility veröffentlicht. Der Artikel beschreibt das Verhalten beim Reisen. Für verantwortliche Reiseentscheidungen sind seitens der Reiseunternehmen Transparenz und Informationsvermittlung im Kontext von CSR-Konzepten eine wichtige Voraussetzung.

Der Beitrag von Heinz Fuchs ist hier zu finden:               http://www.inwent.org/ez/articles/176259/index.de.shtml

Die Entlarvung eines Mythos

Ein grandioses Buch und eine aufschlußreiche Ausstellung in Zürich klären über Trugbilder, Tibet und die Sehnsucht nach dem Paradies auf

Die Sehnsucht nach dem Paradies ist uralt. Schon in der griechischen und römischen Antike wurden utopische Wünsche auf unbekannte Völker und ferne Länder projiziert. In unserem Zeitalter sind "Exotik", die Südsee und vor allem Tibet mit seinem Buddhismus "in". Selten konnte eine Region weltweit so viele Phantasien freisetzen wie das - von China besetzte - Schneeland auf dem Dach der Welt.

Dem Schweizer Ethnologen Martin Brauen, selbst mit einer Tibeterin verheiratet, platzte irgendwann der Kragen. Akribisch trug er alles zusammen, was ihm an Zerrbildern in Literatur, Filmen und in der Werbung unter die Augen kam. Das Ergebnis ist eine erschreckende, aber gleichzeitig überaus anregende Ausstellung im Völkerkunde-Museum Zürich und das ebenso spannende Buch "Traumwelt Tibet - westliche Trugbilder".

Die Ausstellung, die noch bis zum 4. Juni 2001 geöffnet ist, berücksichtigt zusätzlich chinesische Tibet-Klischees. Jeder der sich mit multikulturellen und multireligiösen Themen oder mit Tibet und Buddhismus beschäftigt, sollte sich Buch und Ausstellung zu Gemüte führen, auch Touristiker, die Tibet und den Himalaya anbieten! Ebenfalls empfohlen sei es allen Menschen, die sich mit New Age oder der rechts-esoterischen Szene befassen. Sie werden in dem reich illustrierten Buch viele Erklärungen zum - derzeit leider wieder aktuellen - Rassenwahn, der ungefragten Vereinnahmung Tibets durch die Nazis und die dadurch entstandenen neuen Mythen entdecken.

Die Vermarktung Tibets und des tibetischen Buddhismus ist allgegenwärtig. Daß die harmlosen Turnübungen "Die fünf Tibeter" eine westliche, äußerst profitable Erfindung sind, spricht sich trotz gegenteiliger Beteuerungen des Scherz-Verlages langsam herum. Bei diesem Beispiel zeigt sich besonders deutlich, wie häufig bestürzt, mitunter gar feindselig auf den Versuch reagiert wird, Tibet und seine Menschen objektiv und differenziert darzustellen bzw. Mythen zu entlarven. Dies ist nicht weiter verwunderlich, glaubt Brauen, denn ein Hauptcharakteristikum von Vorurteilen, positiven wie negativen, sei ihre Starrheit und Unverrückbarkeit. Aus dem Buch "Vom Vorurteil zur Toleranz" zitiert er Wolfgang Metzger: "Ein Mensch, der einem Vorurteil verfallen ist, verteidigt es wie ein Vogel sein Junges. Er verhält sich, als ob er in Gefahr wäre, etwas Unentbehrliches zu verlieren".

Als letzter einfältiger Schrei kamen im vergangenen Jahr sogenannte Buddha-Perlen hinzu, die auch an den Handgelenken zahlreicher Prominenter zu entdecken sind...

Flippern in Shangri-La

In der Werbung ist die Kommerzialisierung und Trivalisierung insbesondere des sakralen Tibet mitsamt dem Dalai Lama am auffälligsten. Auch Exil-Tibeter und Klöster sind daran beteiligt. Geworben wurde und wird für Reisen, Flüge, Wellness, Restaurants, Hotels, Kletterseile, Bier, Autos, Computer, Faxgeräte, Camcorder, Fernsehgeräte, Staubsauger, Uhren, Brillen, Parfüms, Bohnerwachs, Schuhe, Sonnenschutzmittel, "Liebeskissen", Tee, Käse, Energie-Riegel, Lutschtabletten, Aufbaupräparate, Krankenversicherungen und anderes mehr. Religiöse Symbole zieren T-Shirts, Leibchen, Shorts, Seidenschals, Rucksäcke, Taschen, Bildschirmschoner, Schmuck, Kosmetika, Eau de Toilette, Uhren, Brillenetuis, Buttons, Würfel-, Karten-, Gesellschafts- und Computerspiele, Aschenbecher und Fußmatten (!). In Kneipen konnte man mit einem "Shangri-La-Gerät" sogar flippern! Es ist in der Ausstellung zu bewundern.

Ständig wiederkehrende Mythen

Brauens Resümee, nachdem die Puzzleteilchen erst in dieser Zusammenstellung den wahren Umfang des Tibet-Zerrbildes erkennen lassen: "Die Traumwelt Tibet spricht Sehnsüchte an, die in allen Paradiesvorstellungen vorkommen: Frieden, Weisheit, ein unbeschwertes langes Leben, sexuelle Erfüllung, Harmonie und eine Ordnung, die jedem Menschen seinen Platz zuweist. Das Bedürfnis nach einem Paradies auf Erden scheint umso größer zu sein, je unsicherer das gegenwärtige Leben empfunden wird. Bei genauerer Betrachtung allerdings erweist sich das dargestellte Tibet als Nicht-Tibet, angebliche Botschaften als nicht-tibetisch, missionierende Weise als Nicht-Tibeter".

Als ständig wiederkehrende Mythen fallen u.a. auf:

  • Tibet als geheimer, mysteriöser, sakraler Ort, der durch die hohen Berge schwer zugänglich ist;
  • Tibet als Land mit spirituellen Geheimnissen und übernatürlichen Kräften;
  • Tibet als Paradies, Shangri-La, Jungbrunnen;
  • Tibet als Land der Wundertaten mit allwissenden Mönchen (nicht Frauen oder Nonnen), die die Levitation beherrschen;
  • Tibet als Rückzugsgebiet: Überlebende der Sintflut, von "Atlantis", "Agarthi" oder "Thule", der "arischen, nordischen Herrenrasse";
  • Tibet als (fast) asexuelles Land: Im Gegensatz zu anderen irdischen Paradiesen, die als geheime Gärten der Lüste dargestellt werden, dominieren im sakralen Tibet die Männer und Mönche. Das Gegenstück ist Tibet als (zweckentfremdetes) "tantrisches" Bordell;
  • Tibet als Land des einfachen und überschaubaren Lebens in natürlicher Landschaft, der Kontinuität im Gegensatz zum hektischen Leben;
  • Tibet als Land der Traditionen, was ein Geborgenheitsgefühl vermittelt;
  • Tibet als Land der Hoffnung auf eine bessere Wiedergeburt;
  • Tibet als Land der Mission: der neue Mensch;
  • Tibet als Land des Friedens.

Ausstellung in Zürich

Die Ausstellung "Traumwelt Tibet - Westliche und chinesische Trugbilder" findet bis zum 4. Juni 2001 im Völkerkundemuseum der Universität Zürich statt. Öffnungszeiten: Di - Fr von 10-13 + 14-17 Uhr, Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr, Mo geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Pelikanstraße 40, CH-8001 Zürich (Innenstadt). Tel: 0041-1-6349011, Fax 6349050, E-mail: musethno@vmz.unizh.ch; www.musethno.unizh.ch

Bücher zur Ausstellung

  • Brauen, Martin: "Traumwelt Tibet - Westliche Trugbilder", Verlag Paul Haupt, Bern-Stuttgart-Wien 2000, ISBN 3-258-05639-0, DM 76, CHF 68, ATS 555. 296 Seiten, 96 s/w und 167 farbige Abbildungen, Format 27x24 cm.
  • Oppitz, Michael: "Semiologie eines Bildmythos. Der Flipper Shangri-La", Völkerkundemuseum, Zürich 2000, ISBN 3-909105-39-4, CHF 32. 111 Seiten, div. Abb.

( 6.222 Anschläge, 96 Zeilen, März 2001)

Vgl. auch TW 16, S. 1-13 "Der Tibet-Mythos", Oktober 1999!

Stichworte: Kultur und Religion |Esoterik |Rassismus |Kultur und Religion im Tourismus |