Wildnis im Gebirge

By Christian Hlavac
Mitautor/-en: 
Volken, Marco / Diemer, Matthias (Hg.)

Viele Menschen stört Ungenutztes. Je seltener jedoch "wilde", ungenutzte Gebiete werden, desto aktueller und wichtiger wird die gesellschaftspolitische Frage nach der Rolle von Wildnis, nach ihrer ökologischen, gesellschaftlichen, ökonomischen, kulturellen und historischen Bedeutung. Die NGO "Mountain Wilderness Schweiz", die 2004 ihr zehnjähriges Jubiläum feierte, befragte zahlreiche Menschen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit mit dem Thema auseinander setzen: Was bedeutet Wildnis, gibt es sie und wenn ja, wo? Rund 60 Autorinnen und Autoren äußern sich in Text- und Bildbeiträgen über die Faszination und die Angst, die Wildnis auf sie ausübt. Hervorzuheben sind das Interview mit dem pensionierten Förster Walter Kälin über den einzigen Gebirgsfichtenurwald der Alpen und der Beitrag der Ökonomin Heidi Schelbert zur Frage "Braucht es die monetäre Bestimmung des Wertes einer Wildnis?" und wenn ja, "wie ist dieser zu bestimmen?" Die thematisch und methodisch sinnvolle Sprunghaftigkeit des Werkes zeigt sich auch in der seriös-witzigen Zusammenstellung bzw. Gegenüberstellung von Daten aus den Gebirgen der Welt. Ein Beispiel: "Besteigungen pro Jahr: Matterhorn (Wallis), geschätzt 3000; Everest (Durchschnitt 2000-2002) 162; Pizzo Piensgia (Tessin), geschätzt 3." (S. 229). Das Buch und alleine dieser Vergleich macht sicher: 1. Wildnis ist subjektiv und objektiv in Relation zu sehen. 2. Wildnis passiert und existiert vor jeder Haustür. Machen wir uns auf zur Spurensuche!

 


Flüeler, Elsbeth / Volken, Marco / Diemer, Matthias (Hg.): Wildnis. Ein Wegbegleiter durchs Gebirge. Rotpunktverlag, Zürich 2004; 272 S., ISBN 3-85869-276-X

(1.667 Anschläge, 20 Zeilen, Dezember 2004)