Mit kommissarischem Spürsinn hat Autor Bernhard Pötter im globalen Klima-Drama nach verwertbaren Spuren gesucht – und sie gefunden. Die Indizien im “Tatort Klimawandel“ führten ihn in die Ölindustrie, zu den Flugzeugbauern und auf die Skipisten Dubais, und schließlich in den brasilianischen Amazonas, wo der Raubbau am Regenwald immer stärker einem Raubmord gleicht. Selten fand er Täter und Opfer so dicht beieinander, und neben Opfern immer wieder auch Profiteure.
Denn überall auf der Welt gibt es Menschen und Unternehmen, die ordentlich an der Erderwärmung verdienen: die skandinavische Holzindustrie zum Beispiel, oder die Bauindustrie, die in den Niederlanden bereits schwimmende Häuser baut. Doch es gibt auch diejenigen, die schuld- und machtlos unter den Klimaveränderungen leiden, und das nicht nur in den Überschwemmungsgebieten von Bangladesch. Nicht zuletzt gibt es noch eine weitere Gruppe, die meint, Lösungen zur Rettung vor der Klimakatastrophe anbieten zu können, doch damit nicht selten falsche Fährten legt: die CO2-Abscheidung und Einlagerung oder der Emissionshandel, mit dem sich die reichen Länder ihre Reduktionsbemühungen schönrechnen, oder auch das Kompensations(un)wesen. Dabei kommt der Anbieter Atmosfair gar nicht einmal so schlecht weg: Trotz besseren Gewissens durch den Ablass würden Atmosfair-Kunden laut einer Befragung nicht häufiger ins Flugzeug steigen. Atmosfair schade also nicht, so Pötters Fazit.
Tatort Klimawandel. Von Bernhard Pötter. Oekom Verlag. 2008. 264 Seiten. ISBN-13: 978-3865811219.
-ck- (1.585 Anschläge, 22 Zeilen, September 2008)