Tourismusethik

Von Ludmilla Tüting

In Graz gibt es einen Publizisten, der gleichzeitig gelernter Jurist, Philosoph und ein erfahrener Reiseleiter ist. Im Moment schreibt Harald A. Friedl an seiner Doktorarbeit über die Auswirkungen des Tourismus bei den Tuareg. Davor veröffentlichte er aber noch zwei Bücher über Tourismusethik. Das eine ist seine Diplomarbeit, das andere ein kleiner praktischer Leitfaden zum Mitnehmen.

In seiner "Tourismusethik" untersucht er umfassend Theorie und Praxis des umwelt- und sozialverträglichen Fernreisens. Dabei hat er Probleme mit jenen Tourismuskritikern, die an "eklatanter Realitätsferne leiden" und deren Erfolg sich meistens "auf die Rolle eines einsamen Rufers in der Wüste" beschränke. Seiner Ansicht nach kann für eine "praktische Tourismusethik die Antwort auf die Frage nach dem 'richtigen' Handeln alleine nicht genügen". Mindestens so wichtig sei die Frage, "auf welche Weise sich touristische Verantwortung wirkungsvoll verkaufen lasse. Friedl: "Reisende verstoßen ja nicht aus Bosheit gegen regionale Tabus, sondern weil sie auf Grund ihres touristischen Selbstverständnisses gar nicht an die Möglichkeit eines Verstoßes denken". Tourismusethik habe deshalb sehr viel mit Sensibilisierung, Aufklärung und der Kunst der Vermittlung zu tun. Tourismusethik müsse, um angenommen und damit wirksam zu werden, allen etwas bringen. Andernfalls bleibe alles graue Theorie.

Friedls kleines Handbuch "Respektvoll reisen" sei dem interessierten Leser ebenfalls wärmstens ans Herz gelegt. Es ist eine sehr gute Orientierungshilfe bei der Vorbereitung, während der Reise und danach, denn letztlich wirke die Reiseethik nach der Heimkehr weiter, weil man durch die persönliche Reiseerfahrung auch neue Verantwortung übernommen habe. Ein paar kleine, aber wichtige Ergänzungen möchte ich dennoch vorschlagen. Wie verhält Mann/Frau sich, wenn man bei Begegnungen gleich mit der Frage konfrontiert wird, wie viel man verdient, wenn man zum hundertsten Mal die Fragen beantworten muss "What is your name?", "Where do you come from?", wenn mein Gegenüber nie "Danke schön" sagt (da vor Ort unüblich) oder wenn Männer (auch einheimischen) Frauen an die Brust fassen oder zwischen die Beine greifen.

Friedl, Harald A.: "Tourismusethik. Theorie und Praxis des umwelt- und sozialverträglichen Fernreisens", Schriftenreihe "Integrativer Tourismus & Entwiklung", respect/ITTF, Wien (Hg.), Profil Verlag, München/Wien 2002, 256 S., ISBN 3-89019-530-X (D), 3-902146-03-6 (A).

Friedl, Harald A.: "Respektvoll reisen", Reise Know-How Verlag Peter Rump, Bielefeld 2002, 160 S., ISBN 3-8317-1039-2.