Natur-Reiseführer Australien

Neues Standard-Werk für Öko-Touristen und Reiseleiter
By Ludmilla Tüting

Als roter Faden ziehen sich die Fehler der weißen Kolonialisten durch dieses brillante Bestimmungsbuch: "Von allen Kontinenten hat Australien wahrscheinlich am stärksten unter unsinnigen und schädlichen Importen von fremden Tier- und Pflanzenarten zu leiden", stellt der deutsche Auswanderer und Studiosus-Reiseleiter Lutz Fehling fest. Eingebürgerte Nage-, Nutz-, Weide-, Haus- und Jagdtiere der europäischen Einwanderer verursachten - mangels natürlicher Feinde - bis heute gravierende ökologische Schäden, vor allem Wildkaninchen, Füchse, Wildschweine, Mäuse und Ratten.

Anstatt das Jahrtausende alte Wissen der Aborigines (Ureinwohner) zu nutzen, betrachteten die Siedler die neue Umwelt als feindlich, die Aborigines (nicht Aborginials!) als Tiere und verschmähten die heimischen Nahrungsmittel. "Selbst Australienforscher verhungerten in Gebieten, die den Aborigines genügend Nahrung boten", so der Autor. Erst in den letzten Jahren sei das Interesse daran erwacht. Um so erfreulicher, dass der promovierte Handelsstudienrat bei den Pflanzen oft auch die traditionelle medizinische Verwendung durch die Ureinwohner beschreibt. Beispiel australischer Teebaum (Tea Tree), seit einigen Jahren als eine Art Wundermittel bei uns bekannt: "Die Aborigines verwenden die Blätter (nicht das reine Öl) für Aufgüsse und Umschläge vor allem bei Halsentzündungen, Erkältungen und Insektenstichen. Die heutige Volksmedizin nutzt die bakterienhemmende, wundheilende und pilztötende Wirkung des Teebaumöls".

Vielfältig einsetzbar

Acht Jahre arbeitete Fehling an dem Buch. Heraus kam ein kleines Wunderwerk, das durch große Übersichtlichkeit und liebevolle, naturgetreue Farbzeichnungen - von Sharon Dye und Ted Poulter - besticht. Abgebildet und nach festem Schema kurz und prägnant beschrieben wurden 325 Tier- und 200 Pflanzenarten, praxisnah und sehr leicht verständlich. Zu jeder Abbildung gehört eine Skizze Australiens mit dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Ganz besonders hilfreich sind die durchgängig englischen, deutschen und wissenschaftlichen Bezeichnungen, teilweise ergänzt durch umgangssprachliche Namen in den "Info"-Texten. Dieses Glossar nützt nicht nur Öko-Touristen und Reiseleitern vor allem in der englischsprachigen Tourismuswelt, sondern auch Feinschmeckern, die hier und unterwegs tropische Nahrungsmittel leichter identifizieren können.

Wem ist beispielsweise bekannt, dass "Kiwis" eigentlich aus China stammen, wie der deutsche Begriff "Chinesischer Strahlengriffel" andeutet: "Heimat ist das chinesische Yangtse-Tal. Erst die Kiwis (Spitzname der Neuseeländer, auch Name des flugunfähigen Schnepfenstraußes) züchteten verbrauchergerechte Sorten und verhalfen der Kiwi-Frucht in den 1970er Jahren zu Weltruhm. Leider vergaßen die Neuseeländer, 'ihren' Namen zu schützen. Deshalb wird die Frucht heute unter dem Kiwi-Namen weltweit in den gemäßigten bis subtropischen Breiten angebaut, so auch in Australien".

Selbst ohne einen Besuch Australiens erfreut das 500 Gramm schwere Buch jedes Naturfreundeherz, denn das Schmökern ist unterhaltsam und lehrreich zugleich. So sind Koalas keine Bären, (schon gar nicht die Vorlage für Teddybären, wie oft behauptet wird), sondern Beuteltiere. Seeschildkröten heißen "Turtle", Landschildkröten aber, die es auf dem Fünften Kontinent nicht gibt, "Tortoise". Und im Landesinnern lebt der weltweit höchste Bestand an wilden Dromedaren, nämlich geschätzte 400.000. Die einhöckrigen "Kamele" (Camel, Dromedary, camelus dromedarius) wurden ab 1840 als Last- und Reittier zur Outback-Erschließung eingeführt und nach 1925 freigelassen. Heute werden sie eingefangen, an Touristen vermietet oder exportiert, häufig sogar in arabische Länder. Zur Erinnerung an ihre afghanische Herkunft wurde im Januar 2004 ein Zug "The Ghan" benannt. Die neue 3000 km lange Strecke verbindet erstmals Darwin im Norden mit Adelaide in Süd-Australien.

Wellensittiche, die man in Australien in riesigen Schwärmen beobachten kann, kamen 1840 nach Europa und sind seitdem beliebte Käfigvögel. Anzumerken ist, da weitgehend unbekannt, dass die Einzelhaltung von Wellensittichen (engl. budgerigar) zu den größten Tierquälereien gehört, denn die "budgies" sind ausgesprochen gesellige Papageienvögel.

Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass ein schnelles Auffinden durch Querverweise und ein dreisprachiges Register mit fast 5000 Stichworten in diesem Standard-Werk möglich ist.

Fehling, Lutz: "Australien Natur-Reiseführer. Tiere und Pflanzen am touristischen Wegesrand". Edition Fehling im Ilona-Hupe Verlag, München 2003. 525 farbige Zeichnungen, Taschenbuch, 317 Seiten, ISBN 3-932084-25-X

(4.646 Anschläge, 62 Zeilen, März 2004)