Handlungsoptionen für klimabewusstes Reisen: Zwischen Verzicht und Verdrängung

By Sabine Minninger

Wie klimabewusstes Reisen praktisch funktioniert und die ökologischen Folgen von Reisen reduziert werden können, beleuchteten Experten auf einer Veranstaltung "Klimabewusst Reisen – Handlungsoptionen zwischen 'business as usual' und Urlaub auf Balkonien" auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) im März in Berlin.

Auf Einladung der Fachhochschule Eberswalde zusammen mit EED-Tourism Watch, der Ecotourism Society und dem 'Forum anders reisen' zeigten touristische Anbieter und Nichtregierungsorganisationen konkrete Umsetzungsbeispiele zum Klimaschutz. Dabei wurde deutlich, dass es im Tourismus zwischen Verzicht und Verdrängung reale Handlungsoptionen gibt, konstruktiv und pragmatisch mit der Herausforderung des Klimawandels umzugehen – und weiter im Geschäft zu bleiben. Wolfgang Strasdas von der Fachhochschule Eberswalde bedient sich der Zahlen, auf die sich auch die Welt­tourismusorganisation (UNWTO) beruft und schätzt den Anteil des Tourismus an den globalen CO2-Emissionen auf fünf Prozent. Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair, schätzt – ebenso wie viele Umweltorganisationen – allein den Anteil des Flugverkehrs auf vier bis zehn Prozent.

Klimafreundliche Urlaubsangebote sind längst nicht mehr nur in der Ökoecke zu finden. Immer mehr Urlauber machen sich Gedanken um das Klima und wählen ent­sprechende Angebote und Destinationen. Der Geschäftsführer von Avanti bietet seinen Kunden Busreisen als klimafreundliche Alternative. Charmarie Maelge von 'Responsible Tourism Partnership' in Sri Lanka erklärte, wie ein touristisches Zielgebiet in einem Entwicklungsland mit Unterstützung der Reisebranche eine klimafreundliche Destination werden kann. Die 'Earth Lung – Carbon Clean Sri Lanka'–Initiative umfasst Aufforstungsaktionen und Projekte zur Förderung regenerativer Energien.

Nach wie vor werden Klimagaseinsparungen bzw. Kompensationszahlungen heiß diskutiert. Immer neue Anbieter sprießen aus dem Boden und es werden immer mehr Modelle und Zahlungsvarianten angeboten. Rolf Pfeifer, Geschäftsführer des 'Forum anders reisen', kritisiert, dass auf diesem Markt zunehmend Mogelpackungen angeboten würden. Als Negativbeispiel nannte er die Kooperation der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa mit dem Schweizer Anbieter Myclimate, der den Lufthansa-Kunden Kompensationszahlungen anbietet. Obwohl ein Flug von Zürich nach Berlin und zurück bei Myclimate normalerweise mit einem CO2-Ausstoß pro Kopf von 320 Kilo berechnet wird, lässt sich Myclimate exklusiv für Lufthansa-Kunden auf eine Berechnung von nur 255 Kilo CO2 pro Kopf ein. Auch kritisierte Pfeifer, dass manche Klimaschutzaktionen von Reiseveranstaltern nur 'heiße Luft' produzieren würden. Die TUI werbe mit CO2-Kompensation, habe aber gleichzeitig das Fernreiseangebot für die Wintersaison 2007/2008 um zwanzig Prozent ausgebaut. Im Tourismus spielt der Flugverkehr die größte Rolle beim CO2-Ausstoss und wurde von allen Referenten kritisch unter die Lupe genommen, auch im Bewusstsein, dass viele Entwicklungsländer auf die Einnahmen aus dem Tourismus nicht verzichten können. Ernstzunehmende Klimaschutzstrategien im Tourismus könnten daher nur heißen: 'Weniger Fliegen, dafür länger bleiben!'

Weitere Informationen: www.atmosfair.de, www.myclimate.org, www.srilankaearthlung.travel

(3.375 Anschläge,46 Zeilen, Juni 2008)

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