Über Wurzeln und Wege

Tourism, Diasporas and Space
By Christina Kamp
Mitautor/-en: 
Timothy, Dallen J.

Die Tourismusforschung hat inzwischen die Diaspora entdeckt, doch wenn es nach Tim Coles und Dallen J. Timothy geht, sollten Diasporas darin sehr viel mehr Raum einnehmen. In ihrem Buch ″Tourism, Diasporas and Space” haben die Herausgeber Forschungsergebnisse vor allem aus Großbritannien und den USA, aber auch aus anderen Ländern mit großen Migranten-Gemeinschaften, wie beispielsweise Australien auf­bereitet. Autoren verschiedener Fachrichtungen untersuchen die Zusammenhänge und Schnittstellen zwischen Diasporas und dem Tourismus. Die Vielfalt von Migranten-Gemeinschaften spiegelt sich auch in ihrem Verhalten als Touristen wider. In den meisten Fällen dient der Tourismus als starker soziokultureller ″Klebstoff″, der die Heimat und ″ihre″ Emigranten zusammenhält. Migranten reisen auf der Suche nach ihren Wurzeln und Wegen, mit dem Ziel, ihre Identitäten zu bestätigen und oder zu stärken. In der Regel sind Reisen von Migranten Reisen zurück in die Heimat, oder auch Reisen zu Bekannten oder Verwandten in anderen Ländern.

Im ersten Teil des Buches geht es um touristische Erfahrungen und Identität, z.B. der jüdischen Diaspora oder der karibischen Diaspora in Kanada und Großbritannien. Im zweiten Teil werden anhand von Fallstudien, z.B. aus China oder vietnamesischer Migranten in Australien, Räume (sowohl im wörtlichen Sinne als auch abstrakt als kulturelle, soziale, wirtschaftliche und politische Räume) untersucht, in denen Diaspora-Tourismus stattfindet. Im dritten Teil untersuchen die Autoren die Besonderheiten der Vermarktung von touristischen Angeboten, die sich speziell an Migranten richten.

Im Abschlusskapitel untersuchen die Herausgeber den weiteren Forschungsbedarf. Sie weisen darauf hin, dass die Sichtweisen und Wahrnehmungen der Menschen im Heimatland der Migranten bislang praktisch ignoriert wurden. Für viele Gemeinschaften im ″alten Land″ ist es unter Umständen schwierig zu akzeptieren, dass die ″Fremden” aus der Diaspora Ansprüche auf ihre Heimat erheben. Auch stellen die Herausgeber fest, dass es verschiedene Arten von Diaspora gibt, die durch Verallgemeinerungen nicht erfasst werden – was darauf zu zurückzuführen sein könne, dass sowohl die Tourismus- als auch die Diasporaforschung bislang durch die westliche Weltsicht dominiert worden sei.

Tourism, Diasporas and Space. Tim Coles, Dallen J. Timothy, Routledge, London/New York, 2004, 302 Seiten, ISBN 0-415-31124-1.

-ck-

(2.523 Anschläge, 33 Zeilen, Juni 2007)

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